Power-Sprossen

Vitamin-Express von der Fensterbank

Sie denken, Radieschen, Bohnen, Erbsen und anderes Gemüse kommt in diesen Tagen nur aus fernen Ländern oder aus der Tiefkühltruhe? Das muss nicht sein. Als Keime und Sprossen können Sie die Vitamin- und Mineralstoff-Bomben auf der Fensterbank heranziehen – in wenigen Tagen.

Sojasprossen aus der asiatischen Küche haben auch in Europa Appetit auf Gemüse und Getreide in seiner Ursprungsform gemacht. Sprossen und Keimlinge sind die ersten Bestandteile der sich entwickelnden Pflanze. Genau genommen handelt es sich bei Keimlingen um die gesamte Jungpflanze von den Samen und Wurzelansätzen bis zu den Stängeln und späteren Blättern. Als Sprossen werden dagegen nur die oberirdischen Pflanzenteile bezeichnet.

Die Jungpflanzen haben es jedenfalls in sich. Mit Eiweiß, Antioxidantien, Mineral- und Vitalstoffen sowie Vitaminen strotzen sie nur so vor Inhaltsstoffen, die gerade in der kalten Jahreszeit für Kraft und Wohlbefinden sorgen. Beim Keimvorgang entsteht aus den ohnehin schon nährstoffreichen Samen eine wahrhafte Vitaminexplosion. Der Vitamin-C-Gehalt nimmt um das 35-Fache zu und auch der Anteil an Vitamin B steigt. In der Küche sind die Kraftstoffpakete dankbare und schmackhafte Zutaten. Direkt von der Fensterbank geerntet, muss das knackige Junggemüse nicht erst mühsam geschnippelt werden und verleiht Gemüsepfannen, Salaten, Suppen, Sandwiches, Smoothies und andere Köstlichkeiten Würze, Frische und Pfiff das gewisse Extra eben!

Welche Pflanzenarten eigenen sich?

Nicht alle Pflanzenarten sind als Keimsprossen genießbar. Die Samen von Nachtschattengewächsen wie Tomaten, Auberginen und Kartoffeln bilden beim Keimvorgang sogar Giftstoffe und sollten keinesfalls verzehrt werden. Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen oder Luzerne eignen sich dagegen hervorragend. Auch die Sprossen von Kreuzblütlern sind als Keimlinge sehr beliebt, allen voran die Kresse aber auch Senf. Getreide wie Weizen und Gerste bringt ebenfalls schmackhafte Sprossen hervor, genauso Kürbisgewächse (z. B. Kürbiskerne), Kornblütler (z. B. Sonnenblumenkerne) und Fuchsschwanzgewächse wie Amarant und Quinoa. Kohlenhydrate und Eiweiß sind beispielsweise in besonders hohem Maße im Keimling der Kichererbse enthalten, was sie zu nussig-würzigen Sattmachern macht. Wer hingegen seinen Stoffwechsel ankurbeln will, sollte zu Rucola greifen. Er muss nicht erst zum Salat ausgereift sein, um Zutat für selbigen zu sein. Die Keimlinge haben eine leicht scharfe Note und können roh verzehrt werden – genauso wie die Linse. Warten Sie bei Letzterer jedoch nicht zu lange. Nach drei bis vier Tagen Keimdauer sollte sie geerntet werden, ehe sich kleine Blätter bilden.

Um Sprossen und Keimlinge selbst zu ziehen, sind vor allem zwei Dinge nötig: Licht und Wasser. Idealerweise sollte die Raumtemperatur zwischen 18 und 20 Grad Celsius liegen. Ist es wärmer, hat Schimmel leichtes Spiel. Kältere Temperaturen erschweren den Keimvorgang. Die Keimlinge benötigen zwei bis drei Mal pro Tag Wasser. Im Fachhandel gibt es sogenannte Sprossentürme aus Ton und Glas zu kaufen. Ton bietet optimale Feuchtigkeitsbedingungen, da er Wasser gut speichert. Glas dagegen gewährt freien Blick auf das Innere.

MP1-2017