Boden voller Leben

Unter der Erde entscheidet sich, ob Pflanzen überirdisch gut und üppig gedeihen. Im Biogarten will das Bodenleben deshalb immer gut beschäftigt sein.

Haben Sie schon mal einen Spatenaushub genau betrachtet? Mit bloßem Auge erkennt man die Tiefe der Humusschicht, vielleicht sogar die folgende Bodenschicht. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man ein munteres Getümmel kleiner und kleinster Bodenlebewesen: Regenwürmer, Tausendfüßer, Käfer und Schnecken sieht man gleich, doch die Lupe bringt das pralle Leben erst an den Tag. Dann krabbeln Milben, Springschwänze und Fadenwürmer auf der Erdscholle, unter einem Mikroskop geben sich Bakterien, Pilze, Algen, winzige Milben und Würmchen zu erkennen.

Bodenpflege führt über seine Bewohner

Alle diese Lebewesen verarbeiten pflanzliche und tierische Reste zusammen mit den Mineralien des Bodens zu einem stabilen Ton-Humus-Gefüge. Sie durchlüften, mischen und lockern das Erdreich und halten es fruchtbar. Wenn Biogärtner düngen, füttern sie deshalb nicht gezielt die Pflanzen, sondern sie versorgen erst einmal die Bewohner des Bodens mit Kompost, organischen Volldüngern, Hornspänen oder Jauchen. Die Organismen setzen dann häppchenweise Stickstoff und andere Nährstoffe daraus frei. Als Ziel der richtigen Bodenpflege gilt es, diese gesunde Bodengare zu erhalten und ein feinkrümeliges Saat- oder Pflanzbett zu schaffen.Wo zuwenig Bodenorganismen sind, kann man mit Mikroorganismen erfolgreich nachhelfen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, seine Beete zu bearbeiten. Es gibt Böden, die nur vorsichtig aufgelockert werden dürfen. Dies sind leichte Sandböden, Böden mit sehr dünner Humusschicht oder länger bewirtschaftete und gut versorgte Böden. Eine Regel besagt, dass es keiner Bearbeitung bedarf, wenn Sie Ihre ausgestreckte Hand bis zum Handgelenk in den Boden stecken können. Auf solchen Böden schadet vor allem das Umgraben mehr als es nützt: Die Bodenstruktur sandiger Böden fällt sofort nach dem Umgraben zusammen wie vorher. Die Bodenlebewesen werden einmal regelrecht auf den Kopf gestellt und erholen sich nur sehr langsam von der Strapaze. In diesem Fall ist es besser, die Oberfläche im Herbst von Wildkräutern zu befreien und mit dem Kultivator nur zu lockern. Als Schutz bedeckt während des Winters Gründüngung das Beet.

Pflege für schwere Böden

Bei mittelschweren bis schweren Lehm- und Tonböden sieht die Lage wieder anders aus. Ihr dichtes Bodengefüge ist oft stark wasserhaltig und staunass, Pflanzen bekommen „kalte Füße“. Zwischen die Poren dringt kein Sauerstoff, wodurch das Bodenleben kaum funktioniert. Organisches Material verfault schneller als es abgebaut wird. Hier hilft es, umzugraben. Das bringt Sauerstoff in den Boden, wodurch er sich leichter erwärmt. Es muss aber nicht immer im Herbst umgegraben werden. Über den Winter friert zwar das Wasser in den Erdschollen und zersprengt sie zu einer feinkrümeligen Frostgare, doch fällt die lockere Struktur nach dem ersten Regen wieder in sich zusammen. Vielmehr sollte das Umgraben der Gemüsebeete im Rahmen der Fruchtfolge stattfinden. Nach diesem Prinzip liegt immer ein Fünftel der Anbaufläche brach. Die darauf gewachsene Gründüngung wird erst kurz vor dem erneuten Ansäen oder Bepflanzen umgegraben (zu hohe Pflanzen vorher abmähen). Das kann auch im Frühjahr sein. Hat sich der Boden schon erwärmt, regenerieren sich die Bodenlebewesen schneller.

Durch eine permanente Bodenpflege lassen sich auch schwere Böden mit der Zeit so verbessern, dass sich das Umstechen irgendwann erübrigt. Am besten arbeitet man nach und nach grobes, hohlraumreiches Material wie Sand oder grobkörniges Gesteinsmehl in den Boden ein. Wer regelmäßig mit dem Kultivator oder der Hacke seine Beete lockert, bringt ebenfalls Luft ins Bodengefüge. Wird im Laufe des Jahres ein Beet abgeerntet, kommt vor dem erneuten Bepflanzen die Grabegabel zum Einsatz: Man sticht mit den Zinken in den Boden und bewegt das Gerät ruckartig hin und her. Die Erde bröckelt auseinander und neue Lufträume entstehen, störende Wurzeln sind dabei leicht zu entfernen. Neben der mechanischen Bodenpflege leistet auch eine Mulchdecke aus Rasenschnitt, Kompost oder Folie gute Dienste, um die Bodenstruktur zu erhalten und zu verbessern. Diese hält blanke Erde bedeckt, sodass sie darunter warm und feucht bleibt. Regentropfen werden abgebremst und verschlämmen die Oberfläche nicht mehr, Wind erhält keine Angriffsfläche. Auch das Bodenleben bleibt unter dem Schutz aktiv und gräbt sich munter durch die Krümel.

Welchen Boden habe ich?

Auf den Gesteinen unserer Erde entstanden viele Bodentypen, ein jeder verschieden in seiner Tiefe, seinem Mineral-, Humus-, Kalk- und Säuregehalt und dem Stand des Grundwassers. Abhängig vom Ausgangsgestein ist der Säuregehalt des Bodens niedrig und der pH-Wert basisch (Kalkstein, Basalt) oder hoch, mit saurem pH (Granit, Sandstein). Verursacht durch abgeriebene Körnchen oder Plättchen verändern sich die mineralischen Bestandteile der Böden: Sandböden (große Körner mit reichlich Zwischenräumen), Ton (kleinste Bodenteilchen, die ohne Zwischenräume aneinanderhaften) und Lehm (Mischung aus Sand, Ton und Schluff, mittelgroße Steinkörnchen). Sand hält Wasser und Nährstoffe schlecht, ist aber luftig und leicht zu erwärmen. Ton lässt wenig Luft an die Wurzeln, ist trocken steinhart und erwärmt sich schwer, speichert aber Nährstoffe und Wasser. Lehm gilt als ideale Grundlage für gute Gartenerde: leicht feucht und luftiger als Ton, mit gutem Speichervermögen.

Machen Sie selbst den Test: Ist Ihr Stück Gartenerde in der Hand nicht verformbar, bröckelt es und bindet nicht, haben Sie Sandboden im Garten. Bindet die Erde und ist zu einer bleistiftdicken Wurst aufrollbar und hören Sie ein starkes bis schwaches Knirschen beim Zerquetschen in Ohrnähe, handelt es sich um sandigen bis milden Lehm. Ist kein Knirschen wahrzunehmen, nehmen Sie ein Stückchen zwischen die Zähne: Knirscht es zwischen den Zähnen und glänzt die Gleitfläche zwischen Daumen und Zeigefinger ist es toniger Lehm. Knirscht die Erdprobe gar nicht, wächst Ihr Garten auf Ton.

Ein Test bringt vieles ans Tageslicht

Klar – ein fruchtbarer Boden braucht organischen Dünger. Doch auch mit Kompost, Mist und organischem Volldünger kann man seinen Boden überdüngen. Viele Gartenböden enthalten zu viel Phosphor und Kalium. Phosphor benötigt die Pflanze für ihre Blütenbildung, Samenreife und den Stoffwechsel, Kali für die Standfestigkeit und Widerstandskraft. Überschüssige Portionen aber führen zu Stoffwechselstörungen und schwachem Wuchs. Umgekehrt können alle Nährstoffe im idealen Maß im Boden vorliegen und den Pflanzen dennoch fehlen. Dann liegt vielleicht der pH-Wert oder Säuregehalt in einem ungünstigen Bereich, ist zu sauer (pH weit unter 7) oder zu alkalisch (pH weit über 7). Mit im Fachhandel erhältlichen Test-Sets können Sie neben dem pH-Wert den Gehalt der Hauptnährstoffe selbst ermitteln. Viele Gartenmärkte bieten Ihnen auch umfangreichere Labortests an, die Ihre Erdprobe auch auf Spurenelemente oder mögliche Schwermetalle prüfen.

Mister Tiefbau

Auf einem Quadratmeter fruchtbarem, mit Kompost versorgtem Gartenboden tummeln sich bis zu 400 Regenwürmer. Jeder Wurm ist ein Segen für den Boden. Denn mit seinem Röhrensystem durchlüftet der Wurm den Boden, schafft Kanäle für Regenwasser und bahnt Wege für Wurzeln. Preiswerter kann Dünger nicht sein.

Wussten Sie, dass …

  • die Erde von Maulwurfshaufen so feinkrümelig und rein ist, dass sie sich prima als Aussaaterde eignet?
  • Maulwürfe in ihren unterirdischen Nahrungskammern frische Regenwürmer lagern, die sie mit einem Biss gelähmt haben?
  • der Maulwurf die Erde immer mit dem Kopf nach oben aus seinem Gang herausschiebt?
  • die unterirdischen Maulwurfsröhren wie ein Drainagesystem der Durchlüftung und Auflockerung des Bodens dienen?

Wühlmaus oder Maulwurf?

Während die meisten Bodenlebewesen ein unscheinbares Leben im Untergrund führen, pflügen Maulwurf und Wühlmaus deutlich sichtbar durch den Boden. Maulwürfe können zwar mit ihren aufgeschütteten Erdhügeln den Rasen verunstalten, doch als Insektenfresser ernähren sie sich nur von Regenwürmern und Insektenlarven im Boden. Aus diesem Grund stehen sie unter Artenschutz. Die Wühlmaus dagegen hat eine Vorliebe für Wurzel- und Knollengemüse, für Blumenzwiebeln und die Rinde junger Apfelbäume. Auf ihrem Weg knapp unter der Erdoberfläche beißt sie sich störende Wurzeln aus dem Weg. Weil sie für Gärtner zum echten Problem werden kann, darf man sie im Gegensatz zum Maulwurf uneingeschränkt bekämpfen.

Der Unterschied lässt sich meist schon am Erdhaufen erkennen. Maulwurfshügel sind fast kreisrund und können eine beachtliche Höhe aufweisen. Der Gang befindet sich genau in der Mitte unter dem Haufen und geht senkrecht in die Tiefe. Wühlmäuse drücken mit ihren Hinterbeinen flache, ungleichmäßige Haufen heraus, die oft von Wurzeln und Blättern durchsetzt sind. Der Gang führt am Rand des Haufens in einem relativ flachen Winkel nach unten.

Fruchtbare Erkenntnis

Wie steht es um die Fruchtbarkeit des eigenen Bodens? Wer es herausfinden möchte, sticht zum Höhepunkt des Pflanzenwachstums zwischen Mai und Juli mit dem Spaten eine Scholle aus dem feuchten Boden. An der Scholle fährt man mit einer Schaufel glatt von oben nach unten.

  • Der Boden soll krümelig und leicht feucht sein, auch in tieferen Schichten. An vielen Feinwurzeln haftet Erde. Meiden die Wurzeln einige Bereiche oder knicken sie ab, ist der Boden stellenweise verdichtet.
  • Im Idealfall hat die Probe eine frischglänzende dunkle Farbe und riecht nach Walderde und Pilzen (kein Fäulnisgeruch).
  • Sehen Sie Regenwürmer und nach dem Griff zur Lupe auch Kleinsttiere wie Springschwänze, Milben und Käferlarven? Böden mit prallem Bodenleben sind sehr fruchtbar!

MP 1-2017