Tipps vom Gartendoktor: Pflanzenschutz im Spätherbst

Weidenbohrer bekämpfen

Die Insektenfamilie der Holzbohrer umfasst einige Arten von nachtaktiven Faltern, deren Raupen eine mehrjährige Entwicklung im Stamm von verschiedenen Obstgehölzen und Laubgehölzen durchlaufen. Die Weibchen legen ihre Eier in kleinen Gruppen an die Stammbasis ab. Die schlüpfenden Larven dringen in die Rinde und das Holz ein und fressen ein Gangsystem von bis zu einem Meter Länge. Im Gegensatz zu anderen Holzbohrern wie dem Blausieb sind die Gangsysteme vom Weidenbohrer im Querschnitt deutlich oval (Abbildung) und nicht rund gefärbt. Auffällig ist dabei stets der starke Geruch nach Holzessig (Ziegengeruch). Ein Befall ist von außen durch ovale Ausbohrlöcher – in der Höhe bis zu 2,5 cm groß – und austretende kurze Holzspäne und Kot erkennbar. Eine Bekämpfung der Larven innerhalb der Gänge ist nur über das Einführen mit einem Draht in die Gänge möglich, verbunden mit der Hoffnung, die Raupe auf mechanische Weise tödlich zu verletzen.

 

Pflege von Insektenhotels

Winterpflege-Maßnahmen benötigen Insektenhotels nicht. Sie dürfen keinesfalls ins Warme gebracht werden, da sich sonst die Brut zu schnell entwickelt. Im Frühjahr entfernen Sie zum Schutz der dann schlüpfenden Insekten mögliche Spinnweben. Empfehlenswert ist ein mit Abstand montiertes Vogelschutzgitter, um die jungen Wildbienen vor Vögeln zu schützen. Allerdings nisten etwa rund 50 Prozent der geschätzt 750 bei uns vorkommenden Wildbienenarten im Boden – für sie sind Insektenhotels nicht nutzbar.

 

Kein Parasit: Flechten

Biologisch betrachtet sind Flechten als Doppel-Organismen einzustufen, die aus einer Alge und einem Pilz bestehen. Sie lassen sich aufgrund ihrer äußeren Erscheinung in drei Wuchsformen unterteilen: Krustenflechte, mit Wachstumsraten von weniger als einem Millimeter pro Jahr, Landkartenflechte und Strauchflechte. Alle auf Pflanzen sitzenden Flechten dringen nicht in die Pflanze ein, besitzen keinen parasitären Charakter. Die Flechten werden nicht bekämpft.

 

Geschützt: Riesen-Engerlinge

Der bei uns heimische Nashornkäfer besitzt eine gedrungene Gestalt, ist etwa 3–4 cm groß und glänzend-braun gefärbt. Die Männchen tragen ein namensgebendes, nach hinten gebogenes Kopfhorn. Beide Geschlechter leben nur einige Wochen, sind dämmerungs- und nachtaktiv und vergraben sich tagsüber im Boden. Aus den vom Weibchen in den Boden abgelegten Eiern entwickeln sich Larven (Engerlinge). Diese ernähren sich – ursprünglich – vom abgestorbenen organischen Material im Mulm alter Bäume, bevorzugt an Eichen. Als Kulturfolger bleiben die Larven ihrer Hauptnahrung treu, finden sich heute jedoch vermehrt im Kompost, Rinden- und Sägemehlhaufen. Da die Larven während ihrer mehrjährigen Entwicklungszeit eine stattliche Größe von 10 cm (!) erreichen können sind die (unbegründeten) Bedenken groß, dass es sich um einen Schädling handeln könnte. Sie ernähren sich aber wie geschildert ausschließlich von abgestorbener Substanz und besitzen, ähnlich wie die bekannten Larven des Rosenkäfers, im Kompost die Funktion von einem zu gewährenden Kompostveredler. Der Käfer und seine Entwicklungsstadien genießen aufgrund ihrer Einstufung als besonders geschützte Art nach der Bundesartenschutzverordnung einen besonderen Schutzstatus.

 

 

K(r)atzspuren am Flieder

Bei Ziersträuchern wie Weide oder Liguster, sehr gerne auch am Flieder (Abbildung) an den bodennahen Stämmen können Katzen eine teils großflächig aufgekratzte Rinde verursachen. Eine Abhilfe zur Vermeidung von nachhaltigen Stammschäden schafft hier das Ummanteln der Triebe mit einer Drahthose oder Kunststoffmanschette, die im Fachhandel als Baumschutzspirale oder Baumschutzgitter verkauft werden. Alternativ kann der Stamm auch durch einen locker umwickelten Hasendraht geschützt werden.

 

 

Checkliste

Der Maulwurf ist geschützt, eine Bekämpfung ist nicht erlaubt. Hier bietet der Fachhandel Vergrämungsprodukte zur Vertreibung an.

 

An den Trieben von Gehölzen zeigt sich der Rotpustelpilz mit seinen 1–3 mm kleinen, lachsrosafarbenen Fruchtkörpern. Schneiden Sie das infizierte Material heraus.

 

Die Larven vom Buchsbaumzünsler überdauern in einem Gespinst an der Pflanze. Schneiden Sie befallene Triebabschnitte heraus.

 

Beim Winterschnitt am Apfel entfernen Sie vom Mehltau befallene Knospen, erkennbar an ihren abgespreizten und abstehenden Schuppen.

 

An Gehölzen in einem nestartigen Gespinst auftretende Raupenansammlungen stammen vermutlich vom Goldafter, die entfernt werden sollten. Vorsicht: Die Raupen besitzen Brennhaare, die zu allergischen Reaktionen führen können.

 

Johannisbeertriebe, die von den Larven des Johannisbeer-Glasflüglers geschädigt sind schneiden Sie über Winter zurück.

MP5-18