Saatgut

Das steckt im Korn.

Die Auswahl an bunten Samentütchen ist riesengroß.  Jetzt, da die Zeit zum Aussäen wieder näher rückt, fragen sich viele: Was steckt drin im Korn?

Ist es besser, Saatgut selbst zu sammeln, anstatt es Jahr für Jahr zu kaufen?

Saatgut selbst ziehen: Geht das überhaupt? Ja, bei vielen Gemüsearten ist das der Fall. Besonders gut funktioniert es zum Beispiel bei Tomaten, Paprika, Chili, Kürbissen, Bohnen oder Blattsalaten. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist aber, dass die Sorten samenfest sind, also dieselben Eigenschaften wie die Muttersorte aufweisen. Um dies genauer zu verstehen, sollten Sie den Unterschied zwischen samenfesten Sorten und Hybriden kennen. Samenfeste Sorten: Gärtnereien und Sämereien züchten über Jahre hinweg Sorten mit bestimmten Eigenschaften, indem sie zum Beispiel besonders resistente, geschmackvolle und farblich schön anzusehende Sorten selektieren und miteinander kreuzen. Diese Sorten werden über ihr Saatgut vermehrt. So entstehen in der nächsten Generation Pflanzen mit denselben Eigenschaften. Man nennt dieses Saatgut auch sortenrein. Die Vermehrung samenfester Sorten ist die ursprüngliche Art, Saatgut zu ziehen.

Saatgutkonzerne bieten jedoch meist Hybride an. Um Vor- und Nachteile zu verstehen, müssen wir hierzu einen Schwenk in die Vererbungslehre machen. Diese geht auf die Experimente von Gregor Mendel (1822–1884) zurück: Mendel kreuzte Erbsenpflanzen mit weißen Blüten und Erbsenpflanzen mit roten Blüten (HO-Generation), die Nachkommen (H1- Generation) weisen keine rosa Blüten auf, sondern sind rot. Die Eigenschaft „rote Blüten“ ist stärker und setzt sich gegen die Eigenschaft „weiße Blüten“ durch, dennoch schlummert die rezessiv-vererbte Eigenschaft „weiß“ in den meisten Erbsen der ersten Generation noch, sodass sich bei den Enkeln (H2-Generation) schon wieder ein völlig neues Bild ergibt: Hier treten auch wieder Erbsen mit weißer Blüte in einem bestimmten Verhältnis auf.

Hybride: Keine Überraschungstüte

Saatgutunternehmen unterbinden zunächst die Fremdbefruchtung und züchten homogene Inzuchtlinien. Anschließend werden zwei ausgewählte, möglichst unterschiedliche Sorten gekreuzt, um Pflanzen hervorzubringen, die besonders positive Eigenschaften in sich vereinen. Diese H1-Hybriden haben den Vorteil, dass Sie zum Beispiel sehr resistent, ertragreich und zur gleichen Zeit erntereif sind. Aufgrund der hohen Widerstandsfähigkeit kann man bei diesen Sorten auf Pflanzenschutzmittel in der Regel verzichten, weshalb sie sich vor allem für den Hausgarten eignen. Überraschungen gibt es mit F1-Samengut keine: Sie erhalten Pflanzen in der Form und Farbe wie auf den Tütchen abgebildet. Der Nachteil: Die Eigenschaften spalten sich in den nächsten Generation wieder auf. Sie können die Samen der H1-Hybriden zwar nachziehen, wissen aber vorher nicht, was dabei herauskommt. Auf Samentütchen sind diese in der Regel mit einem F1 hinter dem Sortennamen gekennzeichnet.

Mit Gentechnik haben F1-Hybride nichts zu tun. Sie entstehen durch klassische Züchterarbeit, durch Selektion und Unterbindung der Fremdbefruchtung. Auch bei den umstritteneren CMS-Hybriden ist keine Genmanipulation im Spiel. Hier erfolgt aber dennoch ein künstlicher Eingriff: Artfremde Zellen und Zellkerne werden miteinander verschmolzen. Aufgrund dieser Vorgehensweise sprechen sich viele Anbauverbände wie Bioland, Demeter, Naturland oder Gäa gegen den Einsatz von CMS-Saatgut aus. Falls Sie sichergehen wollen, kein genmanipuliertes Saatgut zu kaufen, sollte Sie auf das blaue Siegel „ohne Gentechnik“ achten. Große Anbieter wie Kiepenkerl oder Sperli führen nach eigenen Angaben kein gentechnisch verändertes Saatgut.

 

Bio-Saatgut

Leckeres Biogemüse aus Biosaatgut!

Bio ist auch beim Saatgut stark gefragt. Entsprechend ist das Angebot in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Mit dem Thema Samenfestigkeit hat Bio-Saatgut nichts zu tun. Nicht jedes Bio-Saatgut ist samenfest und nicht alle samenfesten Sorten sind Bio. Hierbei geht es vielmehr darum, wie Saatgut gewonnen wird. Vom sechseckigen EU-Biosiegel über das EU-Bio-Logo bis hin zu Bioland, Naturland und Demeter gibt es verschiedene Bio-Siegel mit unterschiedlich strengen Vorgaben. Allen gemeinsam ist jedoch, dass keine chemischen Dünger und synthetischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden dürfen

Saatband und andere Hilfsmittel

Bei besonders feinen Samen wie Möhren und andere Lichtkeimer liegt die Herausforderung darin, sie gleichmäßig zu verstreuen. Sie sind sehr leicht und werden schnell vom Wind davongetragen. Oft werden sie daher in praktischen Saatbändern angeboten. Dabei handelt es sich um etwa zwei Zentimeter breite, zweilagige Zellstoff-Bänder, in deren Mitte die Samen eingebettet sind. Ein weiterer Vorteil: Der Abstand ist so abgestimmt, dass Sie Jungpflanzen nicht mehr im Nachhinein ausdünnen müssen, weil sie zu eng stehen. Alternativ können Sie sehr feine Samen mit Sand mischen und gleichmäßig in der Samenrille verstreuen. Das Mischverhältnis von Saatgut zu Sand sollte mindestens 1:10 betragen.

Kältereiz

Samen brauchen Wärme, um keimen zu können. Das ist jedem bekannt. Es gibt jedoch auch sogenannte Kalt- oder Frostkeimer wie die Christrose, Bärlauch, Lavendel, Pfingstrose, Tulpe, Veilchen oder viele Wald- und Wiesenkräuter. Ihre Samen müssen erst einmal eine längere Kälteperiode von unter 5 Grad Celsius durchgemacht haben, um bei warmen Temperaturen aus der Erde sprießen zu können. Der Grund: Die Pflanzen enthalten austriebshemmende und -fördernde Hormone. Die hemmenden Substanzen bremsen das Keimen, sobald Feuchtigkeit ins Spiel kommt und die Samenhülle aufquillt. Erst dann können keimfördernde Substanzen für den Austrieb sorgen. Die Samen sollten Sie im Herbst ausgesät haben, aber auch im zeitigen Frühjahr ist noch Zeit.

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