Pflanzenschnitt: Was, wann und wie?

Der Pflanzenschnitt ist ein Thema, von dem viele Hobby-Gärtner am liebsten die Finger lassen – zu viel kann dabei schiefgehen. Doch mit ein paar Grundregeln verhelfen Sie Gehölzen und Co. zu einem gesunden Wuchs.

Gestalten und in Form bringen, das Wachstum anregen oder bremsen: Es gibt verschiedene Gründe, um Bäume, Sträucher, Obstgehölze, Rosen, Stauden und andere Pflanzen zu schneiden. Bei Obstbäumen sorgt ein Schnitt zur richtigen Zeit für eine üppigere Ernte. Entscheidend ist der Zeitpunkt des Pflanzenschnitts. Im Wesentlichen unterscheidet man hier zwei Gruppen: Pflanzen, die im Frühjahr und im Sommer blühen. Frühjahrsblüher wie Forsythien oder Spiräen legen ihre Blütenknospen bereits im Vorjahr an. Sie sollten diese Pflanzen daher nicht im Herbst oder Frühjahr schneiden, weil Sie die Blütentriebe sonst entfernen. Sommerblüher bilden ihre Blütenknospen erst im Frühling aus. Bis dahin ist ein Rückschnitt möglich.

Die Rolle des Saftdrucks

Um den richtigen Zeitpunkt für den Pflanzenschnitt zu erkennen, sollten Sie sich vor Augen halten, wie Pflanzen aufgebaut sind und wachsen. Es handelt sich um ein Zusammenspiel verschiedener Organe: den Wurzeln unter der Erde und den Trieben und Blättern als oberirdische Bestandteile. Die Blätter bilden bei der Fotosynthese Zucker und Stärke.

Beides wird in die Wurzeln transportiert und dort als Reserve gespeichert. Die Wurzeln ziehen zudem Wasser und Nährstoffe aus der Erde und pumpen diese nach oben in die Triebe. Dies ist der sogenannte Saftdruck, der für das Wachstum der Pflanzen verantwortlich ist.

So beeinflusst der Schnitt das Wachstum

Im Frühjahr ist der Saftstrom nach oben am stärksten, damit Blätter und Triebe wieder zu wachsen beginnen. Erst wenn die Blätter ausgebildet sind, lässt der Druck wieder nach. Bei einem Pflanzenschnitt im oder vor dem Frühjahr wird der Austrieb angeregt, denn der nährstoffreiche Saft verteilt sich auf weniger Knospen. Der Sommerschnitt eignet sich dagegen, um das Wachstum einzudämmen. Wenn viele Blätter entfernt werden, gibt es auch weniger Nährstoffe, die als Reserve in den Wurzeln gespeichert werden können. Die Folge: ein schwächerer Austrieb im nächsten Frühjahr.

Zudem bestimmt der Saftdruck die Wuchsrichtung: Er steigt immer nach oben und fördert so den Austrieb der Triebspitzen. An Ästen, die aufrecht nach oben wachsen, erhalten so die Triebknospen an der Spitze die meisten Nährstoffe und wachsen am stärksten. Bei schräg stehenden Ästen sind es die Knospen auf der Astoberseite. Hier verteilt sich der Druck auf alle Triebe, das Wachstum ist also insgesamt geringer als bei aufrechtstehenden Ästen. Bei Bäumen, deren Äste sich im Laufe der Jahre nach unten geneigt haben, werden die Triebknospen auf dem Scheitel des Astes bevorzugt.

Gerüst und Äste: Die verschiedenen Wuchsformen

Gehölze bilden in der Regel ein stabiles Gerüst mit kräftigen Ästen aus. Diese verzweigen sich in Lang- und Kurztriebe, Äste und Zweige.

Sträucher wie Beerensträucher, die Ballhortensie oder die Scheinquitte bilden kein Gerüst. Sie bestehen aus mehreren Schösslingen, die aus der Erde treiben. Im zweiten Jahr bilden sie Seitentriebe, an denen sie in der Regel auch blühen, die dann aber schnell vergreisen. Entfernen Sie die toten Triebe.

Spiräen wie Berberitze, Forsythie oder Liguster bilden ein schwaches Gerüst, dessen Äste sich im Laufe der Jahre im oberen Bereich immer mehr verzweigen. Ältere Äste sollten regelmäßig an der Basis entfernt werden.

Die Zaubernuss und ähnliche Sträucher wie Zierapfel, Goldregel, Kornelkirsche, Magnolie oder Rhododendron ähneln mit ihrem langlebigen Gerüst den Bäumen. Allerdings gibt es mehrere Stämme mit Gerüstästen, die sich regelmäßig und vor allem nach oben hin verzweigen. Sie müssen nur dann auslichten, wenn der Strauch zu dicht wird oder Äste nach innen wachsen.

Nur noch einen massiven Stamm haben die Bäume. Experten in der Baumschule sorgen mit regelmäßigen Erziehungsschnitten dafür, dass die jungen Bäume möglichst gleichmäßig und symmetrisch wachsen.

Die richtige Schnitttechnik

Damit die Schnittwunde schnell und problemlos verheilt, sollten Sie scharfes und sauberes Werkzeug für einen glatten Schnitt verwenden. Wunden, die größer als drei Zentimeter im Durchmesser sind, sollten Sie behandeln. Das gilt vor allem vor und in den kalten Monaten. Ansonsten drohen Pilzinfektionen. Pinseln Sie dazu Baumwachs oder andere Wunschverschlussmittel aus dem Fachhandel um die Wundränder. Triebe und Äste haben Gewebe, das Wunden schneller heilen lässt. Dieses sollten Sie beim Schnitt möglichst verschonen. Es handelt sich um die kleine Wulst zwischen Haupt- und Seitenast. Setzen Sie das Werkzeug über dieser Wulst an und schneiden Sie leicht schräg. Auf die Selbstheilungskräfte der Bäume ist in der Regel aber Verlass.

Obstbäume schneiden

Der ideale Zeitpunkt sind die Monate Februar und März. Entfernen Sie im oberen Bereich alle Äste, die nach innen wachsen. Setzen Sie den Schnitt möglichst weit unten am Ast an, möglichst direkt an der Verzweigung und achten Sie auf einen sauberen, glatten Schnitt. Bei Ästen, die Sie nicht entfernen, sondern nur zurückschneiden gilt: Schneiden Sie leicht schräg und kurz über einer nach außen weisenden Knospe. So wächst der Trieb dem Licht entgegen.

Das richtige Werkzeug

Die Gartenschere ist der Allrounder unter den Gartenwerkzeugen. Hier gibt es zwei Schneidprinzipien: Bypass- und Amboss-Scheren. Die Bypass-Schere hat eine scharfe Klinge, die das Gewebe nicht quetscht. Sie wird für alle lebenden Pflanzen verwendet. Amboss-Scheren eignen sich dafür für hartes, totes Holz.

Die Heckenschere ermöglicht eine große Schnittfläche bei wenig Kraftaufwand. Für hohe und lange Hecken gibt es eine große Auswahl an motorisierten Geräten.

Mit der Astschere werden Sie auch dicken Ästen Herr. Sie haben eine starke Hebelwirkung. Da die Arbeit meist über Kopf passiert, sollten Sie auf ein geringes Eigengewicht der Astschere achten.

Wenn Sie mit der Astschere nicht mehr weiterkommen, weil der Ast zu dick oder zu verholzt ist, kommt die Baumsäge zum Einsatz.

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