Naturnaher Garten

Schuppe für Schuppe

Nadelgehölze sorgen im Winter mit ihren vielfältigen Zapfen für hübsche Überraschungen. Über die fettreichen Samen freuen sich besonders die Wildtiere.

Von einem Winterspaziergang ohne Zapfen zurückkommen? Undenkbar! Auf den Wegen verstreut liegen sie in allen möglichen Formen: lange Zapfen, sparrige Butzeln, knuffige Kegel. Auch in Gärten mit altem Baumbestand wird man fündig.

Einige Wochen vorher musste man noch weit nach oben in die Wipfel schauen, um die Früchte der Fichten (Picea abies), Kiefern (Pinus sylvestris) und Douglasien (Pseudotsuga menziesii) zu entdecken. Denn erst wenn die Nadelgehölze zu stattlichen, mächtigen Bäumen herangewachsen sind, machen sie ihrem Namen Koniferen (lat. Coniferae = Zapfenträger) alle Ehre. Dann erst blühen sie und produzieren Früchte.

Was landläufig als Tannenzapfen bezeichnet wird, sind in Wirklichkeit die Erzeugnisse der Fichte. Sie hängen am Baum und fallen nach der Reife als intakte Zapfen ab. Echte Tannenzapfen (Abies alba) stehen senkrecht auf den Zweigen und setzen, sobald sie reif sind, einzelne Schuppen frei. Nur eine dünne Spindel, die zentrale Achse des Zapfens, bleibt zurück.

Die Lärche (Larix decidua) ist der einzige europäische Nadelbaum, der im Herbst seine Nadeln abwirft, an seinen Zapfen hält er jedoch jahrelang fest. Die kleinen gerüschten Früchte klammern sich auch nach dem Ausstreuen der Samen noch an den Zweig. Diese sowie einzelne Zapfen aller Art sind ein beliebter Adventsschmuck. Im Korb oder Topf vor den Eingang gestellt wirken sie, ohne dass es schmückenden Beiwerks bedarf. Und wenn sie der Reif überzuckert, sehen sie aus wie kleine Kunstwerke.

Sie lassen sich gern hängen

Während die Blüten und jungen Zapfen von Fichten, Kiefern und Lärchen zunächst aufrecht stehen, neigen sie sich unter der Last ihrer Samen mit der Zeit nach unten. Manchmal scheinen ganze Zweige unter dem Gewicht nachzugeben. Hinzu kommt, dass viele Koniferen von Natur aus ihre Äste hängen lassen. Dadurch wird der Stamm beschattet, und in schneereichen Wintern rutscht die weiße Pracht leicht von den Zweigen.

Junge Zapfen leuchten je nach Nadelbaumart zunächst rötlich, purpurn bis violett, bevor sie nach Zimtbraun, Braunrot oder Graubraun wechseln. Die kompakten Zapfen verlocken zum Pflücken, doch sollte man warten, bis sie ausgereift sind und alleine vom Baum plumpsen. Halbwüchsige Zapfen schrumpfen und schimmeln leicht.

 

Apfel, Nuss und Pinienkern

Mit ihrem nussigen Geschmack laden Pinienkerne zum Knabbern ein. Die geschälten, etwa 2 cm langen Samen der mediterranen Pinien (Pinus pinea) begeisterten schon Feinschmecker im alten Rom. Und heutzutage streut man sie über Fleisch, Tomaten, Reis, Nudelgerichte oder Desserts. 3 Jahre nach der Blüte werden die etwa 10 cm breiten und bis 15 cm langen Pinienzapfen im Winter von Hand aus den Wipfeln der gut 20 m hohen Kiefern gepflückt. Die Samen müssen herausgelöst und die Schale entfernt werden. Preisgünstige Kerne kommen meist aus Asien und stammen von der Korea-Kiefer (Pinus koraiensis). Man erkennt sie an ihrem dreieckigen Querschnitt und der dunklen Spitze. Echte Pinienkerne haben einen ovalen Querschnitt und stumpfe Enden.

 

Das große Knabbern

Die oft pieksigen, dichten Zweige von Fichte & Co. bieten vielen Tieren im Winter Schutz und im Sommer Verstecke zum Nisten. Manche Zapfen stehen auf der Speisekarte von Eichhörnchen und Vögeln ganz oben: Erstere verputzen bis zu 100 Fichtenzapfen pro Tag. Sie reißen dabei die Schuppen ab, um an die fetthaltigen Samen zu kommen. Die Schuppen der Zapfenspitze lassen sie stehen, damit sie die Frucht besser greifen können: Daran erkennen Sie auch, dass ein Eichhörnchen am Werk war. Buntspechte dagegen zerfleddern ihre samenreiche Beute: Sie hacken die Schuppen auf. Noch während die Zapfen am Baum hängen, holt sich der Fichtenkreuzschnabel seinen Anteil. Er hebt mit dem Schnabel die Schuppen leicht an und fischt die Samen heraus. Nur verstreute Reste unter dem Baum verraten ihn. Wenn die Zapfenschuppen offen stehen, bedienen sich auch Blaumeisen, Haubenmeisen und Tannenmeisen.

 

Kerzengerade in die Winterzeit

Einige Koniferen tragen ihre Zapfen aufrecht, weil ihre Zweige oft bis in die Spitzen verholzen und sich die Fruchtansätze deshalb nicht umbiegen können:

Die Zweige der Korea-Tanne (Abies koreana) sind besonders dicht mit dekorativen, senkrecht stehenden Zapfen besteckt. Die Früchte der Blautanne (Abies procera ‚Glauca‘) leuchten gelbbraun über dem kräftigen Blaugrün der Nadeln.

Zedern wie die Atlas-Zeder (Cedrus atlantica) oder Himalaya-Zeder (Cedrus deodara) recken ihre schuppigen Kegel ebenfalls in den Himmel. Bei ihnen fallen wie bei den Tannenzapfen die Schuppen einzeln ab.

Aufrechte Zapfen sind im Vorteil gegenüber hängende: Ihre geflügelten Samen nimmt der Wind leichter mit, wenn er über die Äste streicht – und trägt sie weit in die Landschaft.

Wussten Sie, dass…

… an heißen Tagen das Harz wie Wachs an hängenden Zapfen herunterläuft und schwer zu Boden tropft? Stroben (Pinus strobus) sind darin Meister.

… die Zapfen der Dreh-kiefer (Pinus contorta) erst nach einem Waldbrand ihre im Zapfen fest verschlossenen Samen freigeben?

… Sie gut getrocknete Fichten- und Kiefernzapfen zum Anzünden Ihres Grills verwenden können ? Vom Grillen ausschließlich über Zapfen raten wir aber wegen starker, gesundheitsschädlicher Benzpyren-Bildung ab.

… erfrischender Fichtennadel-Extrakt, der in Salben, Inhalationstropfen oder Erkältungsbädern steckt, aus den Zapfen und Nadeln der Weißtanne (Abies alba) gewonnen wird?

 

Deko mit Zapfen

Haben Sie noch Ihr Souvenir vom letzten Urlaub im Süden? Aus den schmucken Pinienzapfen lassen sich die schönsten Dinge zaubern. Aber auch mit Fundstücken aus Wald und Garten können Sie fürs Weihnachtsfest nette Hingucker basteln:

Große Zapfen lassen sich mit Beeren, getrockneten Orangenscheiben und mit vergoldeten Anissternen schmücken (mithilfe einer Heißklebepistole). Anschließend umwickeln Sie sie mit Golddraht.

Überzogen mit Wachs und in einen kleinen Tontopf „gepflanzt“, werden aus Zapfen festliche Bäumchen, die etwas Moos oder Golddraht gut zur Geltung bringt.

Leicht zu basteln sind Zapfenwichtel, wobei Holzkugeln als Köpfe auf Kiefernzapfen geklebt werden. Mit Haaren und Bärten aus Watte und Mützen aus Filz entsteht ein witziger Baum- und Fensterschmuck.

In Schalen gepflanzte Christrosen (Helleborus) können Sie mit Zapfen und Wollkordeln herausputzen.

 

Zapfen als Wetterfrösche

Wenn der Wind die schraubenförmig aufgebauten Blüten der Koniferen mit Pollen bestäubt hat, härten diese aus. Die Schuppen überziehen wie ein Schutzschild die Frucht. Erst wenn die Samen reif sind, öffnen sie sich. Bei Kiefern, Fichten und Lärchen trocknen diese bei sonnigem Wetter und spreizen sich, die Samen streuen um den Baum oder werden vom Wind verbreitet. Bei Nässe und hoher Luftfeuchtigkeit schließen sich die Schuppen. Wenn Sie einen Kiefernzapfen vor dem Fenster aufhängen, beobachten Sie, wie sich vor Regen die Schuppen schließen und an trockenen Tagen öffnen. Die Spalten reifer schildartiger Zapfen wie von Scheinzypresse (Chamaecyparis) und Lebensbaum (Thuja) bleiben dagegen immer offen, weil kein Wasser unter die dachartigen Schuppen dringen kann.

 

Vogelfutter

Wer Talg oder Kokosfett schmilzt und mit Gartenvogelfutter mischt, kann daraus „Meisenzapfen“ selbst herstellen: Binden Sie dafür Fichtenzapfen an eine Schnur, ziehen Sie diese durch das weiche, samenreiche Fett und hängen Sie sie als Vogelfutter in Bäume und Sträucher in Ihrem Garten. Die Vögel freuen sich – und dazu sieht es auch dekorativ aus!

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