Naturgarten

Ein Körnchen Glück…

In voller Sommerblüte…

…Blüten vergehen, aber die Samen bleiben. Schauen Sie mal, welche Power in Schoten und Kapseln steckt!

…herbstliches Outfit…

Wenn sich der Sommer und bald auch der Herbst dem Ende neigen, sieht man immer mehr Braun aus den Beeten spitzen: Samenstände bleiben vom üppig-bunten Flor zurück, Erinnerungen an eine tolle Zeit. Doch nur weil Pflanzen verblühen, büßen sie nicht an Schönheit ein. Schauen Sie doch mal genauer hin, bevor Sie zur Schere greifen! All die Schoten, runden Kapseln oder bizarren Büschel verleihen dem herbstlichen Garten einen besonderen Flair, setzen dreidimensionale Akzente und geben noch später winterlicher Langeweile keine Chance. Da gibt es die kugeligen bis kegelförmigen Köpfe des Purpur-Sonnenhuts (Echinacea purpurea), die wie kleine Paukenschlägel aufrecht stehenbleiben, nachdem die Blütenblättchen nacheinander trocken zu Boden gesegelt sind. Von Tau und Reif überzogen, blitzen die Bällchen im Morgenlicht.

Echinaceae im Herbst…

Die Samenstände der Silberkerzen (Cimicifuga) biegen sich elegant vornüber, wippen sachte im Wind. Fast trotzig verharren die stacheligen Gebilde der Elfenbeindistel (Eryngium giganteum) und der Wilden Karde (Dipsacus fullonum). Sie halten selbst nasskalten Monaten Stand und funkeln an frostigen Tagen in der Sonne.

In herbstlichen 3-D-Beeten sollten auch die trockenen Blütenschirme der Hohen Fetthennen (Sedum telephium) nicht fehlen. Oder die zähen Samenstände des Brandkrauts (Phlomis russeliana), der Ligularien (Ligularia splendens) und der Herbstanemonen (Anemone japonica). Filigrane Hingucker sind und bleiben die Ähren verschiedener Gräser, etwa des Blauen Pfeifengrases (Molinia caerulea) und des hohen Chinaschilfs (Miscanthus).

Eine gewisse Nachlässigkeit ist gefragt, die trockenen Gebilde stehenzulassen. Doch es wird sich nicht nur optisch für Sie, sondern vor allem für viele nützliche Insekten wie winzig kleine Wildbienen, Ohrwürmer oder Marienkäfer lohnen, die in den hohlen Blütenstängeln und trockenen Blatt- und Halmhorsten überwintern. Über die Samen freuen sich noch dazu hungrige Vögel. So picken sich Grünfinken die nahrhaften Körnchen aus verblühten Astern (Aster novi-belgii), der Dompfaff sucht im Kräuterbeet, Stieglitze laben sich an Distelblüten. Und auch verblühte einjährige Sommerblumen bergen noch eine Zeitlang viele nahrhafte Samen. Kann es noch mehr Vorteile geben? Ach ja, als Gärtner kann man sich selbst hier und da Samen sichern, um sie im nächsten Jahr auszusäen; oder ein paar bizarre Bastelmaterialien für die herbstliche und adventliche Dekoration.

Vorteile eigenen Saatguts

Samen aus eigener Ernte sind frisch und weisen eine hohe Keimrate auf.

Man gewinnt kräftige Pflanzen, die an die Standortverhältnisse wie Klima und Bodenart bestens angepasst sind.

Vor allem seltene und gefährdete Sorten kann man über ihre Samen erhalten und hilft mit deren Weitergabe, die genetische Vielfalt zu erhalten.

Was gibt es Schöneres als mit Gleichgesinnten die kleinen raschelnden Wundertüten zu tauschen?

Kalt muss es sein

Wer mehrjährige, winterharte Stauden aussäen will, muss sich Väterchen Frost zu Hilfe holen. Würde man zum Beispiel die Samen von Primeln, Eisenhut, Pfingstrosen oder Christrosen im Haus aufbewahren und erst im Frühling in die Erde stecken, täte sich – nichts. Sie brauchen nämlich die Kälte des Winters, um die ihnen eigene Keimhemmung abzulegen. Diese verhindert, dass die Körnchen bereits im Spätsommer und Herbst keimen, weil die Jungpflanzen den Winter nicht überstehen würden. Erst im Frühling erhalten sie „grünes Licht“.

Zu Hause kann man sich so behelfen, dass man Kaltkeimer bereits im Herbst draußen aussät und dort belässt. Oder man steckt die Samen im Frühling in kleine mit Aussaaterde gefüllte Töpfe, verpackt diese in Plastikfolie und stellt sie für  drei bis vier Wochen in die Gefriertruhe. Nach dieser Kältekur keimen sie schließlich.

 

Die Guten ins Töpfchen

In jedem Körnchen steckt bereits jetzt die Pracht des nächsten Sommers. Sommerblumen und auch Stauden samen sich oft selbst aus. Dann wandern Ringelblume (Calendula officinalis), Jungfer im Grünen (Nigella damascena), Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) oder Akelei (Aquilegia) von alleine durch den Garten, blühen hier oder dort am Gartenweg. Doch manchmal ist es schöner, der Natur zuvorzukommen, die Platzwahl der Pflanzen zu steuern oder Samen zu verschenken. Die meisten Samen sind reif, sobald die Fruchthülle aufbricht oder trocken ist. Manchmal fällt es Gärtnern leicht, an die Samen zu kommen, an die Körner der Kapuzinerkresse etwa oder an die Häkchen der Ringelblume. Andere Pflanzen erschweren den Zugriff, katapultieren bei Berührung ihren Inhalt in alle Richtungen oder verstecken ihn in Kapseln und Schoten. Zu den Versteckkünstlern gehören Akeleien, Mohn (Papaver orientale) oder Gartenbohnen (Phaseolus vulgaris). Sonnenblumen (Helianthus annuus) entledigen sich ihrer Kerne oft schneller als man schaut – oder die Vögel waren vor einem da.

Sonnenblume im Herbst- mit vielen Powerkernen…

Suchen Sie sich Ihre Samen-Mutterpflanze zu Blütenbeginn aus. Kräftig und gesund sollte sie sein, sie blüht weder als erste noch als letzte unter ihresgleichen. Bei Bedarf stabilisieren Sie die Samenstände mit Stäben, damit sie nicht abknicken. Auf Nummer Sicher gehen Sie, wenn Sie über Kapseln oder Dolden Tüten stülpen und an den Stielen befestigen, bis darin die Körnchen rascheln.

 

Samenfest oder F1?

Nicht immer bringt das Aussäen des eigenen Saatguts den ersehnten Erfolg. Nur bei samenfesten Sorten sehen die Nachkommen wieder annähernd so aus wie die Mutterpflanze und besitzen auch deren Eigenschaften: Samenfest sind meist altbewährte, einfachblühende Blumen- und Gemüsesorten und natürlich alle Wildpflanzen.

Viele ertragreiche, großblütige und großfrüchtige sowie gegen spezielle Krankheiten resistent gezüchtete Sorten sind F1-Hybriden: Dafür werden zwei ausgesuchte Eltern beim Züchter gekreuzt, und es entstehen die auf den Samentüten abgebildeten Ergebnisse. Nimmt man davon Samen, wachsen daraus wiederum Pflanzen, die oft völlig anders aussehen, weil sie einer zufälligen Kreuzung entstammen. Bei manchen F1-Hybriden wartet man zudem vergebens auf Samen – dicht gefüllte oder pollenfreie Blüten sind zum Beispiel unfruchtbar.

 

Tomatensamen ernten

Neben Bohnen, Erbsen oder Kürbis können Sie auch von Tomaten bestens Samen gewinnen. Denn viele Tomatensorten sind Selbstbefruchter und samenfest. So funktioniert’s:

Belassen Sie für die Samenernte die erste oder zweite Traube an der Tomatenpflanze, die anderen ernten Sie wie gewohnt. Die auserwählten Früchte müssen gesund sein, Form, Farbe, Größe und Geschmack sortentypisch.

Die reifen Tomaten schneiden Sie auf und drücken das Fruchtfleisch mit den Samen in ein Gefäß und gießen das Ganze mit Wasser auf. Wenn sich das Fruchtfleisch komplett vom Samen gelöst hat, werden die Samen abgeseiht und gut durchgespült. Auf saugfähigem Papier oder auf Pappe im Schatten trocknen lassen. Tomaten können Sie ab März aussäen und an einem hellen Platz im Zimmer heranziehen.

 

So hält Saatgut lange

Alle Samenkörner müssen Sie von Schalen, Fruchtständen und Kapseln trennen.

Feuchte oder helle, unausgereifte Körner trocknen auf saugfähigem Pappkarton, letztere bis sie braun sind.

Samen halten sich in einem trockenen, kühlen und dunklen Raum am besten.

Füllen Sie die trockenen Samen, getrennt nach Sorte, in Briefumschläge oder Papiertütchen. Beschriften nicht vergessen!

 

Eine Frage der Geduld

Einjährige Pflanzen blühen und bilden innerhalb weniger Monate Samen. Dazu gehören Sonnenblumen, Schmuckkörbchen, Ringelblumen, Wicken, Studentenblumen und viele andere typische Sommerblumen sowie Kräuter wie Fenchel, Dill und Koriander. Zweijährige brauchen bis zur Blüte gut 18 Monate. Ihre Samen keimen im Sommer, die Pflanze überdauert den Winter und blüht erst im neuen Jahr. Typische Vertreter sind Vergissmeinnicht, Goldlack, Akelei, Bartnelke, Stockrose und Fingerhut. Auch Stauden blühen frühestens im Jahr nach der Aussaat.

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