Naturgarten-Ziersträucher

Wildschöne Pflanzen

Sind Ziersträucher nur fürs Auge da? Nicht diese heimischen Arten, die hübsch aussehen und darüber hinaus Tiere zum Festmahl laden.

Flammend rot steht das Pfaffenhütchen da und schürt das Feuer des Herbstes. Auch seine Früchte machen mit beim Farbspektakel, geben noch Orange und Pink dazu. Immer wieder bleiben Passanten stehen, um den Strauch dort am Zaun zu bewundern. Die Berberitze neben ihm erntet ebenfalls so manches „Schau mal!“, so schön sehen jetzt ihre bunten Blätter und Beeren aus. Im Frühjahr dann schmücken die Blüten des Wolligen Schneeballs und der Eberesche den Garten. Und auch die rosa Wolken der Essigrose.

Das Einfache ist das Besondere: Was Mutter Natur in Hecken und auf Waldlichtungen pflanzt, eignet sich als Sichtschutz an der Terrasse oder zum Nachbarn. Ob Hartriegel, Schneeball oder Eberesche – sie alle sind aus der freien Landschaft in die Gärten gekommen. Die heimischen Sträucher sind an das Klima und die Böden in unseren Breiten bestens angepasst. Frost und Hitze, Wind und Wetter machen den robusten, pflegeleichten Gehölzen kaum etwas aus. Nur wenige andere Gehölze spiegeln mit ihrem Blüten-, Blatt- und Fruchtschmuck die Jahreszeiten und sorgen für pures Naturerleben.

Heimische Gehölze dienen vielen Vögeln, Insekten und Säugetieren als Nahrung. Im Gegenzug bestäuben die Tiere die Blüten oder verbreiten die Samen. So ernähren sich 63 Singvogelarten von der heimischen Vogelbeere (Sorbus aucuparia), von der nahe verwandten Breitblättrigen Mehlbeere (Sorbus latifolia) nur vier.

Das Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) ist in ganz Mitteleuropa zu finden und wächst bis zu sechs Meter hoch. Es liebt lehmigen, nährstoffreichen und kalkhaltigen Boden und verträgt feuchte Standorte, gerne im Halbschatten. Bereits die jungen Triebe tragen Kanten, die sich zu Korkleisten auswachsen. Ab August färben sich die Samenkapseln rot, springen auf und zeigen vier orangefarbene Kerne. Die Früchte sind für Menschen hochgiftig, für Vögel ein Festmahl.

Mit ihren stark bedornten Ästen bietet die Berberitze (Berberis vulgaris) Vögeln geschützte Nistplätze und mit ihren Blüten Bienen, Schmetterlingen und Hummeln im Frühling reichlich Nahrung. Ab September reifen die dunkelroten länglichen Beeren, die viel Vitamin C enthalten. Sonne und ein kalkhaltiger Boden lassen sie kräftig wachsen. Nicht nur in kleinen Gärten benötigt sie eine Wurzelsperre.

Adrett in Form geschnitten und als grüne Sichtschutzwand, so kennt man den Liguster (Ligustrum vulgare). Im Schatten hoher Bäume entwickelt er sich genauso wie in der Sonne. Im Juni erscheinen an den Spitzen kleine weiße Fliederblüten, die etwas streng duften.  Im Herbst sind erbsengroße schwarze Früchte zu sehen, die Vögel bis in den Winter hinein direkt vom Strauch fressen. Auch bauen sie ihre Nester gerne in seinen Zweig-Filz, weshalb die Hecken auf keinen Fall zwischen April und September geschnitten werden dürfen.

Die größten Blüten aller heimischen Wildrosen trägt die Essigrose (Rosa gallica). Sie ist in Mittel- und Süddeutschland auf lehmigen und sonnigen Standorten zu Hause, aber sehr selten anzutreffen. Viel öfter sieht man den kleinen Strauch in alten Gärten, denn er wird schon seit dem 13. Jahrhundert umhegt. Am bekanntesten ist die Apothekerrose ‘Officinalis’, deren weiß-rosa-gestreifte Blüten einzigartig sind. Essigrosen blühen einmal, im Juni und Juli, ihre gelben Staubgefäß-Büschel ziehen Bienen magisch an. Das Laub fällt im September und gibt kugelige Hagebutten für die Vögel frei.

Mit Blättern wie Federn und Zweigen, die malerisch überhängen, sorgt Traubenholunder (Sambucus racemosa) für etwas Romantik. Im April und Mai schmückt er sich mit weißen Blütendolden. Im September entwickeln sich daraus scharlachrote Beeren. Traubenholunder wird bis drei Meter hoch, bevorzugt kalkarme Erde und einen sonnigen bis halbschattigen Platz. Verschiedene Schmetterlingsraupen leben von seinem Laub, von den Blüten Schwebfliegen, Käfer und Bienen. Vögel stürzen sich auf die roten, Vitamin-C-reichen Beeren, deren Kerne aber für Menschen giftig sind. Aus den entsteinten Früchten kann man aber prima Marmelade kochen.

Trocken und steinig darf der Boden sein, auf dem sich der Wollige Schneeball (Viburnum lantana) zu voller Schönheit entwickelt, Hauptsache, die Erde enthält viel Kalk. Dann wächst der Wildstrauch üppig und verzweigt sich munter. Die großen filzigen Blätter tragen ebenfalls dazu bei, dass dieser Schneeball einen guten Sichtschutz bietet und Vögel gern darin brüten. Besonders wertvoll und hübsch anzusehen sind die knallroten Beerenbüschel, die sich nach und nach schwarz verfärben – ein Gaumenschmaus für Drosseln, Mönchgrasmücken und kleine Säugetiere.

Wenn jemand ein Rezept gegen die Wintertristesse hat, dann ist es der Rote Hartriegel (Cornus sanguinea). Seine Triebe leuchten in kräftigem Rot, vor allem wenn die roten Herbstblätter zu Boden gefallen sind. Von Mai bis Juni und oft nochmal im August erscheinen an seinen Triebspitzen weiße Blütenbüschel, die bei vielen Wildbienenarten heiß begehrt sind.

Streuobst wilder Art

Früher waren sie als Mostzusatz unentbehrlich und deshalb neben Äpfeln, Birnen und Zwetschen auf vielen Streuobstwiesen zu finden: Speierling (Sorbus domestica) und Elsbeere (S. torminalis) wirken mit ihrem wilden Aussehen jedem Plantagen-Flair entgegen. Die Früchte sind nur überreif genießbar, unreif machen sie Apfelwein herb. Der 10 bis 20 m hohe Baum wächst nur in milden Regionen.

Zu einem eindrucksvollen Baum entwickelt sich auch die Elsbeere, wenn sie freistehend wachsen kann. Ihre Beeren sind murmelkleine, braune Äpfel, die vollreif sehr gut aber säuerlich schmecken. Im Herbst besticht die „Schöne Else“ zudem mit feurig rot gefärbtem Laub. Elsbeeren gedeihen ebenfalls nur an einem warmen, geschützten Standort.

Härter im Nehmen ist die Eberesche (Sorbus aucuparia), deren kleine Kugelfrüchte reif in knalligem Orange leuchten. Diese waren vor allem für unsere Vorfahren ein wichtiges Nahrungsmittel.

Harte Schale, knackiger Kern

Schnell muss man sein, um im Herbst noch selbst Haselnüsse zu ernten: Eichhörnchen, Eichelhäher und Haselmäuse kommen uns oft zuvor. Denn gerade dann, wenn die Schale wie poliert glänzt und das Häutchen um die Kerne noch weich und zart ist, schmecken Haselnüsse besonders aromatisch. Die Waldhasel (Corylus avellana) entwickelt an sonnigen Plätzen runde bis leicht abgeflachte Nüsse in kurzen, offenen Fruchthüllen. Bereits früh im Jahr beginnen sie zu blühen – nach dem Winter für Bienen eine wichtige Nahrungsquelle. Haselnüsse sind Fremdbefruchter, brauchen mindestens einen weiteren Haselbusch in der Nähe.

Wind trägt die Pollen von den männlichen zu den weiblichen Blüten. Sie fruchten fortlaufend, wenn Sie alle 2–3 Jahre die Triebe zurückschneiden.

Kleines Knopfauge

Mancherorts, wo es Haselnüsse, Knospen, Samen, Beeren, Vogeleier und Insekten gibt, ist die Haselmaus zu Hause. Ihr ist kein Zweig zu dünn, um ihn als Turngerät zu benutzen. Mit nur 15 bis 40 Gramm Körpergewicht und eine Länge von 15 Zentimeter schwingt sie sich behände durch Sträucher und Obstbäume. Selten bekommt man sie dabei zu Gesicht, weil sie hauptsächlich nachts aus ihrem faustgroßen, kugelförmigen Nest kriecht, um in den Bäumen auf Nahrungssuche zu gehen. Im Herbst entwickeln die Tiere den größten Appetit. Dann fressen sie sich ein Fettpolster an, das sie während ihres langen Winterschlafs von Oktober bis April am Leben hält. Oft rollen sich die Nagetiere zu mehreren in Erdlöchern, Laubhaufen oder Nistkästen zusammen und wärmen sich gegenseitig.

MP5-16