Naturgarten- Kräuterspirale

Kräuter-Wirbel

Bei einer Kräuterspirale dreht sich alles nur um eines: um ganz viel Aroma. Auf wenig Platz können besonders viele Pflanzen ihren Duft, Geschmack und ihre Heilkraft entfalten.

So vielseitig Kräuter in ihrer Verwendung sind, so unterschiedlich sind auch ihre Wünsche, wo sie wachsen wollen. Manche der Aromakünstler mögen’s heiß, karg und trocken, andere sind in nahrhafter Erde und in einer kühlen Nische gut aufgehoben.

Letztendlich ist es wie in der Natur: Auf der Kuppe und am Südhang eines Hügels gedeihen alle Sonnenanbeter unter den Wildkräutern. Nicht nur in heißen Ländern wachsen auf derart exponierten Lagen verholzende, gedrungene Arten mit verdickten, oft pelzig überzogenen Blättern. Solch Hartgesottene wie Lavendel, Salbei, Thymian oder Bergbohnenkraut stecken voller ätherischer Öle, die unter heißer Sonne am intensivsten duften. Der Boden darf trocken, nährstoffarm und steinig sein – je magerer, desto besser. Auch das Wasser fließt lieber zu schnell als zu langsam von den Wurzeln ab.

Bleiben wir beim Beispiel mit dem Hügel, wachsen um seine „Taille“ Pflanzen, die Sonne sowie Halbschatten vertragen, humosen, lockeren Boden schätzen und ein paar Schluck Wasser mehr brauchen als reine Sonnenkinder. Viele klassische Küchenkräuter wie Schnittlauch, Petersilie und Zitronenmelisse bilden in Lagen wie dieser reichlich Blätter: weiche Blätter, die sich büschelweise rasch hacken lassen.

Am Fuß des Hügels wiederum ist es oft schattig, dicht bewachsen. Das Wasser sammelt sich dort, versickert langsam oder bildet sogar sumpfige Bereiche. Die Erde ist feucht wie ein Schwamm und reich an organischer Masse. Solche Verhältnisse schätzen Minzen, Brunnenkresse oder auch der Dill. Scharfe Aromen bilden vor allem Kräuter der feuchten Zone.

Wer im Garten viel Platz hat, kann sich mehrere Beete anlegen, die den einzelnen Lagen entsprechen: Eine Trockenmauer für mediterrane Kräuter, ein gemischtes Gemüse- und Kräuterbeet für alles, was auf der klassischen Speisekarte steht, und ein Feuchtbeet in der Nähe des Gartenteiches, um zum Beispiel Brunnenkresse zu ernten. Doch was, wenn der Platz ums Haus beschränkt ist? Dann macht eine Kräuterspirale wirklich Sinn! Weil alle Standorttypen auf engem Raum möglich werden und man viele Kräuter mit verschiedenen Ansprüchen darin vereinen kann. Weil so ein kegelförmiges Beet den Raum in der Höhe bestens ausnutzt. Und weil die Kräuterspirale noch dazu gut aussieht: aus Natursteinen geschichtet mausert sie sich zum wahren Highlight.

Kräuterspiralen schonen auch den Rücken – und sie sind nicht zuletzt deswegen so populär: Man kann sie bequem bepflanzen und pflegen. Auch bei der Ernte braucht man sich nicht allzu tief zu bücken.

Stein wärmt

 

Warum Kräuter besonders gut auf einer Kräuterspirale gedeihen? Die Steine, aus denen diese gebaut ist, speichern Wärme und geben sie nachts oder an kühlen Tagen langsam ab – deshalb haben es auch mediterrane Gewächse mollig warm. Den Effekt verstärkt die sich nach oben vergrößernde, dreidimensionale Oberfläche. Auch die kleine Wasserstelle erwärmt sich schnell, ihre Oberfläche reflektiert noch dazu das Sonnenlicht Richtung Steine. Ohne großes Zutun kann man zusehen, wie wärmeliebende Pflanzen regelrecht aufblühen. Im günstigen Kleinklima steigt auch der Gehalt an ätherischen Ölen, die ganze Kräuterspirale ist ein duftender Kegel.

Kost und Logis frei

Haben Sie Ihre Kräuterspirale korrekt mit Kreuzfugen geschichtet und hier und dort ein paar Lücken gelassen, entpuppt sie sich bald zum Magnet für Laufkäfer, Spinnen, Eidechsen und Kröten. Diese können sich darin vor Fressfeinden und der Mittagssonne verkriechen, überwintern, ihre Kinderstube einrichten oder ihrer Beute auflauern. Vor allem Wildbienen kommen ins Schwärmen – besonders wenn Sie in die Fugen Lehm schmieren.

Gerangel um den besten Platz

Stark wuchernde Kräuter wie Beinwell (Symphytum officinale),

Symphytum officinale Beinwell

Liebstöckel (Levisticum officinale) oder Estragon (Artemisia dracunculus) wachsen besser außerhalb der Kräuterspirale. Nicht winterharte Kräuter integrieren Sie in die Kräuterspirale, wenn Sie sie inklusive Topf zwischen andere Sonnenanbeter setzen. Sie profitieren von dem warmen Umfeld, bevor Sie sie zurück ins frostfreie Winterquartier bringen.

In Schneckenform

Eine perfekte Kräuterspirale sieht wie das Gehäuse einer Schnecke aus. Denn das Gerüst des besonderen Kräuterbeetes wird wie eine Trockenmauer aus Steinen aufgeschichtet und „schraubt“ sich vom höchsten Punkt bis aufs Bodenniveau nach unten.

So geht‘s:

Damit eine selbstgebaute Kräuterspirale viele Jahre lang funktioniert, sollte sie mindestens einen Durchmesser von drei Meter haben, die Zwischenräume mindestens 80 Zentimeter breit mit Erde befüllt werden können, der höchste Punkt gut 80 Zentimeter betragen. Man errichtet sie an einem vollsonnigen Platz, der schnell und trockenen Fußes von der Küche aus zu erreichen ist.

Nachdem man den Grundriss mit Pflöcken und einer Schnur abgesteckt hat, hebt man den Boden spatentief aus und füllt die Fläche etwa 10 cm hoch mit Schotter. Auf diesem Fundament errichtet man die Trockenmauer mit zwei Windungen. Dabei kann die Öffnung sowohl nach Süden als auch nach Norden zeigen, je nachdem wie schattig man die Wasserstelle haben möchte. Die Steine schichtet man reihenweise und mit versetzten Fugen auf.

Das gewundene Beet beherbergt nicht nur sonnige und schattige Abschnitte, sondern auch verschiedene Bodenarten:

Die höchste Stelle füllt man zunächst mit Bauschutt oder Schotter auf. Ganz oben und in der folgenden „Etage“ wurzeln die Pflanzen in einer Mischung aus grobem Sand, Kies und etwas Gartenerde. Den mageren, trockenen und sonnigen Standort schätzen vor allem mediterrane Pflanzen.

Die nächste Windung füllt man mit lehmhaltigem, ungedüngtem Gartenboden, gibt nach unten auslaufend etwas Kompost dazu. Dort, im Halbschatten, fühlen sich viele klassische Küchenkräuter wohl, die es frisch und nicht so heiß lieben.

Am Fuß der Spirale ist Platz für eine Wasserstelle, in deren feuchtem und nahrhaftem Umfeld Kräuter gedeihen, die kühle, auch schattige Ecken bevorzugen. Dazu gräbt man eine wasserdichte Wanne an der Öffnung der Schnecke ein oder schlägt eine gut 40 Zentimeter tiefe Mulde mit Teichfolie aus. Die Erde rund um die Wasserstelle wird mit Lehm und Kompost angereichert.

Die frisch befüllte Spirale sollten Sie nicht gleich bepflanzen, sondern warten, bis sich die Erde nach ein paar Regengüssen gesetzt hat. Dann füllen Sie noch einmal etwas Erde auf. Mediterrane Kräuter setzen Sie am besten im Frühjahr.

 

Kräuterspirale auf die Schnelle

Zugegeben – für eine Kräuterspirale aus Natursteinen muss man schon ein wenig Zeit einplanen. Schneller geht’s mit käuflichen „Bauwerken“: Bei einer Gabionen-Kräuterspirale werden die schneckenförmigen Drahtkörbe mit Steinen gefüllt und die Mitte bepflanzt. Es gibt auch solche aus rostigem Stahlblech, die man sich in den Garten, aber auch auf Terrasse und Balkon stellen kann. Für ein paar wenige Kräuter, die man zum Beispiel beim Sitzplatz stehen haben will, ist ein Kräuterturm wie geschaffen. Hierbei türmen sich verschieden große Töpfe oder andere Gefäße übereinander, idealerweise fixiert durch einen Stab. Oder es sind in einem hohen Gefäß an den Seiten Aussparungen wie Taschen angebracht, die bepflanzt werden können. Auch hier gilt: Ganz oben mediterrane Kräuter setzen, in der Mitte Petersilie & Co., zuunterst Minze.

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