Naturgarten- gegen die Stille

Gegen die Stille.

 

Es ist traurig, aber wahr: Immer weniger Insekten summen und sirren durch unsere Gärten und die Landschaft. Zeit, etwas dagegen zu tun!

Es gibt viel zu tun für unsere Natur- packen wir’s an!

„Schau mal, ein Schmetterling!“, rufen die Nachbarskinder und hüpfen begeistert hinter dem gaukelnden Zitronenfalter her. Der seltene Gast fliegt über die Zäune davon und lässt enttäuschte Gesichter zurück. Es ist nicht allzu lange her, dass Schmetterlinge fortwährend in vielen Farben und Größen durch die Gärten tanzten und kleinen Tagträumern zuverlässig die Zeit vertrieben.

Erinnern Sie sich an die mit Insekten verklebten Windschutzscheiben nach einer Überlandfahrt? Heute bleiben sie meist sauber. Oder denken Sie noch daran, als man beim Fahrradfahren besser den Mund geschlossen hielt, um nicht den nächsten Käfer aufzuschnappen?

Eine langjährige Studie bestätigt nun, dass die Masse der Insekten in Deutschland tatsächlich deutlich geschrumpft ist. Niederländische, deutsche und britische Wissenschaftler haben seit 1989 Insektenfallen ausgezählt und die Zahlen verglichen. An 63 Orten im Bundesgebiet verzeichneten die Forscher einen Rückgang um durchschnittlich 76 Prozent. Besonders alarmierend: Es handelt sich dabei ausschließlich um Messungen in Naturschutzgebieten.

Nicht nur Bienen sind von dem Schwund betroffen. Auch die Anzahl Hummeln, Käfer und Mücken wurde flächendeckend kleiner. Es ist still geworden.

Ob es daran liegt, dass Wildblumenwiesen und Hecken vielerorts den für Insekten wertlosen Agrarlandschaften Platz gemacht haben, können die Forscher anhand ihrer Ergebnisse nicht sagen. Das spielt sicher eine Rolle, doch stammen die erschreckenden Zahlen ja eigentlich von artenreichen Naturschutzflächen. Liegt es am Klimawandel? Auch das können die Forscher nicht bestätigen, denn alle Insekten entwickeln sich bei milden Temperaturen in der Regel besonders gut. Die Wissenschaftler machen Stickstoffverbindungen für das weitläufige Sterben verantwortlich, die als Düngemittel in der Landwirtschaft eingesetzt werden. An diesem Punkt werden sie noch weiterforschen.

Wie wichtig Insekten für andere heimische Tiere sind, zeigt auch der Rückgang von Fledermäusen und besonders von Vögeln: Stare, Schwalben, Haussperlinge, Buchfinken und andere „Allerweltsvögel“ gelten bereits als hochgradig gefährdet, es werden immer weniger Brutpaare gezählt. Binnen zwölf Jahren sind 12,7 Millionen Elternpaare verlorengegangen, weiß man beim Naturschutzbund (NABU). Und es besteht ein Zusammenhang zum Insektenschwund, denn die Vögel brauchen schnabelweise eiweißreiche Kerbtiere, um ihre Jungen aufzuziehen. Auch anderes Futter fehlt: Über dreiviertel der Wild- und Nutzpflanzen können Samen und Früchte nur dann ausbilden, wenn Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, manche Käfer- und einige Fliegenarten ihre Blüten befruchten.

Spätestens dort schließt sich auch der Kreis zum Menschen: Ohne die geflügelten Bestäuber kein Obst, keine Tomaten oder Kürbisse! Keine Kräuter- und Blumensamen!

Die Folgen für unseren Speiseplan sind kaum abzusehen. Deshalb ist es umso wichtiger, die Gärten in ansprechende Insektenoasen zu verwandeln.

Gerade im Kleinen kann man dem alarmierenden Trend gut entgegenhalten – für den eigenen Gemüse- oder Obstgarten und für ein funktionierendes Ökosystem. Gaukelnde Schmetterlinge wieder vor der Haustür dauerhaft anzusiedeln, wird vor allem die Kinder juchzen lassen.

Vögel unter Zugzwang

Gibt es immer weniger Insekten, leiden vor allem die im Frühling heimkehrenden Zugvögel. Der Star ist einer von ihnen. Deshalb wurde er zum Vogel des Jahres 2018 erkoren. Einst machte er sich unbeliebt, wenn er in Horden einfiel und die Kirschbäume plünderte. Heute bleiben die Staren-Nistkästen leer. Zum einen kommen die Vögel aufgrund der Klimaveränderung 4 bis 6 Wochen früher als gewohnt zurück, Insekten für die Jungen gibt es dann noch nicht. Auch setzen ihnen die üblichen Nachwintereinbrüche zu. Es folgen endlose Flüge für die Futtersuche, weil die Vögel auch in den Folgewochen kaum etwas im näheren Umfeld finden. Die entkräfteten Elterntiere verbrauchen das wenige ergatterte Futter für sich, die Brut geht ein. Im Sommer mangelt es an Früchten wie Beeren, wodurch sich die Stare noch dazu unterernährt auf den Weg nach Süden machen.

Was tun? Ein gutes Fettfutter hilft den Tieren zur Brutzeit, wieder Energie zu tanken und selbst weite Flüge in die umgebende Landschaft zu verkraften. Im Laufe des Jahres können Sie getrocknete Beeren und Ganzjahresvogelfutter anbieten.

Zum Reinbeißen

Bestäuber anlocken

Fruchtgemüse wie Gurke, Tomate oder Kürbis wächst am besten in bunter Mischkultur mit Bienenfreund, Borretsch und einfachen Ringelblumen. Am Rand des Gemüsegartens nehmen Sommerblumen wie ungefüllte Dahlien, Sonnenblumen, Mohn oder Kosmeen Platz. Ein Kräutergarten passt gut in die Nähe des Gemüsegartens. Die Blüten von Schnittlauch, Thymian, Salbei oder Lavendel sind wahre Insektenmagneten. Hecken aus Kornelkirschen, Felsenbirnen und Weiden versorgen bereits früh im Jahr die Insekten mit Pollen. Unter Obstgehölzen leisten Frühlingsblüher wie Schneeglöckchen, Krokus oder Blausternchen gute Lotsendienste. Wildrosen, Geißblatt, Faulbaum, Linden und Gartenjasmin blühen bis weit in den Sommer, Efeu lässt die Bienen noch im Herbst im Garten summen.

Wussten Sie, dass…

… Bienen kein Rot sehen können und deshalb rote Blüten nicht anfliegen?

… Margeriten so streng riechen, damit auch Käfer und Fliegen als Bestäuber angelockt werden?

… dass in Japan bereits alle Bienen ausgestorben sind, und die Obstbäume mit dem Pinsel mühsam per Hand bestäubt werden?

Den Gürtel enger schnallen

Alle Stauden und Gehölze legen ihre Kraft in die Bildung von Laub und langen Trieben, wenn sie überfüttert werden – Blüten haben das Nachsehen. Düngen Sie deshalb mit Bedacht. Belassen Sie bewusst unberührte und ungedüngte Ecken im Garten. Dort können sich Wildblumen ausbreiten. Einzig Brennnesseln wollen es stickstoffreich – aber was stören sie schon neben dem Komposthaufen?

Ohne Futter keine Falter

Flockenblumenfeld

Viele Schmetterlinge gibt es nur dort, wo reichlich Wildblumen, etwa auf einer Blumenwiese, wachsen. Denn ihre Raupen sind auf ganz spezielle Futterpflanzen angewiesen, deren Blätter sie fressen, bevor sie sich verpuppen. Allen voran dient die Brennnessel (Urtica dioica) vielen Raupen als reichhaltiges Buffet.

Auch Flockenblume (Centaurea jacea),

Riesenflockenblume (Centaurea macrocephala)

Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias), Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria), Wiesenknopf (Sanguisorba minor) und Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) haben, was der Falternachwuchs will.

Schmetterling labt sich an Echinacea-Blüte (Sonnenhut)

Ausgewachsene Falter schätzen nektarreiche Blüten. Wie Bienen, Hummeln und viele andere Insekten laben sie sich an Glockenblumen, Gartenmalven und Margeriten, baden im Pollen von Sonnenhut oder Phlox. Einjährige Blumen wie Eisenhut, Sonnenblumen oder Bienenfreund ziehen alle Arten magisch an. Einzig Stauden und Sommerblumen mit ungefüllten Blüten werden besucht, denn nur sie halten Nektar und Pollen bereit.

Kost und Logis frei

Futterpflanzen und Nektarquellen sind für Insekten wichtig. Doch von gleicher Bedeutung sind Verstecke und Unterkünfte, wo sich die Tiere verkriechen und ihre Kinderstuben einrichten können. Idealerweise gibt es im Garten Totholz mit Asthöhlen und hohle Halme, weshalb man zum Beispiel abgeblühte Staudenstängel über den Winter stehen lässt. Im Herbstlaub überwintern alle möglichen Käfer sowie in einem Reisighaufen, der im Garteneck liegenbleiben darf. Alternativ lädt man Wildbienen, Schmetterlinge, Florfliegen und Käfer in ein Insektenhotel: In darin gebündeltes, trockenes Röhricht können zum Beispiel arterhaltende Wildbienen-Weibchen schlüpfen. Auch angebohrte Harthölzer eignen sich als Quartiere, am besten wenn die Löcher mit unterschiedlich starken Bohrern (2–9 mm) unterschiedlich tief (5–10 mm) gebohrt wurden. In Stellwände gefüllte Kiefernzapfen oder übereinander geschichtete Holzscheite bieten Schmetterlingen, Florfliegen oder Ohrwürmern Schutz vor Fressfeinden und Kälte; ebenso mit Holzwolle gefüllte Kästen, in die zum Beispiel Marienkäfer von unten hineinschlüpfen.

Der geeignete Standort für Insektenhotels ist sonnig, vor Nässe und Regen geschützt sowie nach Südosten ausgerichtet. Man muss sie nicht selber bauen. Im Fachhandel findet man eine große Auswahl verschiedener Modelle.

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