Mein Hausbaum, mein Freund

Ein Haus bauen, einen Baum pflanzen – das eine ist für viele ohne das andere kaum denkbar. Es gibt aber noch mehr gute Gründe für ein schönes Solitär-Gehölz.

Früher gab es kaum ein Anwesen ohne Hausbaum, altehrwürdig thronten Linde oder Ahorn im Hof. Von Weitem kommend sah man ihn schon und fühlte sich bei seinem Anblick gleich zu Hause. Kaum ein Kinderbild, auf dem nicht neben einem Haus auch ein stattlicher Baum prangt! Mit Bäumen fühlt sich der Mensch seit Urbeginn verbunden, die aufrechte Gestalt, das lange Heranwachsen, Reifen, Sterben. Vergleiche wie baumstark, stämmig, verwurzelt oder entwurzelt gehen uns leicht über die Lippen.

Für die Menschen von einst wohnten im Hausbaum  gute Geister, die Haus, Hof und Bewohner vor Blitzschlag und Unglück aller Art bewahrten. Tatsächlich bewährt sich so ein Himmelsstürmer als Blitzableiter und lebende Funkenbarriere zwischen Wohnhaus und angrenzenden Gebäuden. Sein grünes Blätterdach spendet im Sommer Schatten, bietet Sicht- und Windschutz, dämpft den Verkehrslärm und filtert Staub aus der Luft. Es produziert Sauerstoff und steigert die Luftfeuchtigkeit.

Einen alten Baum im Garten zu haben, das hat man nicht selbst in der Hand – wenn, dann war er vor einem da. Man kann sich aber dennoch einen grünen Freund in den Garten holen. Oft ist zwar nur wenig Platz, aber es gibt trotzdem viele Möglichkeiten, sich diesen Lebenswunsch zu erfüllen. Viele der klassischen großen Hausbäume gibt es heute in relativ kleinwüchsigen Sorten, die in jedem Garten Patz finden. Oder man wählt eine Baumart, die eher zierlich wächst.

Die beliebtesten Hausbäume

Die Linde ist traditionell der beliebteste Hausbaum. Ihre weichen Blätter, ihre von Bienen umschwärmten, süß duftenden Blüten und die luftige, herzförmige Wuchsform machen sie so sympathisch. Ein Tee aus ihren Blüten ist ein altes Volksheilmittel bei Fieber und Erkältungskrankheiten. Im Frühling können die frisch ausgetriebenen Blättchen und auch die unreifen Blüten als Salatbeigabe gegessen werden. Sowohl die heimische Winter-Linde (Tilia cordata) als auch die Sommer-Linde (T. platyphyllos) können über 30 Meter hoch werden. Doch gibt es inzwischen auch kleinwüchsige Linden wie die Winterlinden ‚Erecta‘ (bis 18 m), ‚Greenspire‘ (bis 15 m) und ‚Rancho‘ (9–12 m).

Man sieht ihn vor allem auf ländlichen Anwesen: den Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), manche Exemplare haben 400–600 Jahre auf dem Buckel. Diese größte der heimischen Ahornarten wird leicht 30 Meter hoch und ist am schönsten im Herbst, wenn sie sich leuchtend gelb verfärbt. Für kleine Vorgärten eignet sich die veredelte Sorte ‚Brilliantissimum‘, die zum zierlichen Kugelbaum heranwächst.

Auch die Esche (Fraxinus excelsior) ist ein gern gesehener Hausbaum. Ihre gefiederten Blätter dienten einst als Viehfutter. Ein Tee daraus wirkt belebend, einst fanden aber auch Rinde und Samen als fiebersenkendes Mittel Verwendung. Eschen lieben nährstoffreiche, helle und geschützte Plätze. Dann werden sie bis 30 Meter hoch. Mittelgroß bleiben die Gold-Esche ‚Jaspidea‘ oder die Kugel-Esche ‚Nana‘.

Kleinwüchsige Sorten

Auf den Bauernhöfen Norddeutschlands haben sich Rotbuchen (Fagus sylvatica) als Hausbäume etabliert, denn sie sind sehr robust und trotzen auch starkem Wind. Man kann sie mit der Schere klein halten. Ausgewachsen fällt sie unter die Kategorie Großbäume. Rotbuchen treiben rötlich aus, das Laub wird aber grün. Richtig rote Blätter trägt die Sorte ‚Purpurea‘, auch als Blutbuche bekannt.

Mächtig und vor der Haustür fast mystisch, das ist die Stiel-Eiche (Quercus robur). Eichen gelten heute wie einst als Inbegriff für Kraft und Stärke. Ihre ausladenden, im Zickzack verlaufenden Äste wirken mächtig. Die gebuchteten Blätter und die Eicheln im Herbst kennt jedes Kind. Von allen Bäumen zieht die Eiche die meisten Tiere an: 25 verschiedene Vogel- und über 300 Insektenarten hat man auf ihr gezählt. Wer Eichen eher im Kleinformat schätzt, wählt die hängende Sorte ‚Pendula‘ oder die sehr schlanke, aufstrebende ‚Fastigiata‘.

Vor allem in Weinbauregionen trifft man als Hausbegleiter auf die Walnuss (Juglans regia). Der majestätische Baum mit der runden Silhouette braucht richtig viel Platz – vor allem, wenn es sich um einen Sämling handelt. Veredelte Sorten wachsen mit weniger Power, zum Beispiel ‚Weinsberg 2‘ oder ‚Nr. 139‘. Auch die Edelnuss ‚Jupiter‘ bleibt mit 15 Metern im Rahmen. Unter einem Walnussbaum kann man lange sitzen, denn seine Blätter vertreiben Insekten, allen voran Stechmücken. Die gerbstoffreichen jungen Blätter ergeben einen Tee, mit dem man bei Zahnfleischentzündung gurgeln kann. Und im Herbst gibt’s Nüsse!

Ein Hausbaum mit fröhlich-leichtem Flair ist die Birke (Betula pendula). Ihr leuchtend weißer Stamm und die hellgrünen, im Wind flatternden Blätter sind ein Lichtblick im Vorgarten. Auch die leuchtend gelbe Herbstfärbung sollte man sich nicht entgehen lassen. Birken wachsen rasch und gedeihen auf allen Böden, solange sie im Licht stehen. Deshalb gelten sie als Sinnbild der Lebenskraft schlechthin. Übrigens schmecken die klebrigen Blattknospen und die jungen Blätter prima als Salatbeigabe. Zum kleinen Baum mit schirmartiger Krone entwickelt sich die Trauer-Birke (Betula pendula) ‚Youngii‘.

Alternativen zum klassischen Baum

Für alle, denen die klassischen Hausbäume zu groß sind, sind noch andere Gehölze gewachsen: Von der kleineren Sorte ist zum Beispiel der Apfeldorn (Crataegus x lavallei ‚Carrierei‘). Dieser Lederblättrige Weißdorn ist eine Züchtung des herkömmlichen Weißdorns, der einst als stachelige Hecke die Anwesen als Schutz vor wilden Tieren und ungebetenen Besuchern befriedete. Apfeldorn blüht im Mai mit süß und gleichzeitig streng duftenden weißen Blüten, die wahre Insektenmagneten sind. Im Herbst schmückt er sich mit roten Beeren, die kleinen Äpfeln ähneln. Er wird als kleiner Baum gezogen.

Gehölze mit Geschichte

Immer beliebt ist die Eberesche oder Vogelbeere (Sorbus aucuparia), die schon in alten Zeiten neben das Haus gepflanzt wurde. Bereits Kelten und Germanen verehrten sie als zauberkräftigen Glücksbringer, der von heiligen Stätten Unheil und Fluch fernhalten sollte. Ebereschen blühen im Mai mit weißen Blütendolden, ab Frühherbst locken ihre orangeroten Beeren Scharen von Vögeln an.

Eberesche mit Früchten-Sorbus aucuparia

Die Beeren enthalten viel Vitamin C, ihr bitterer Geschmack verliert sich nach dem ersten Frost. Am besten kocht man Mus oder Marmelade aus ihnen. Von Haus aus milder und für den Frischverzehr geeignet sind die Früchte der Essbaren Eberesche ‚Edulis‘. Als Augenweide empfohlen sei auch ein Zierapfel (Malus). Vor allem die Sorte ‚John Downie‘ ist mit ihren weiß-rosafarbenen Blüten hübsch anzuschauen. Ab Spätsommer reifen ihre orangegelben, auf der Sonnenseite knallroten Äpfelchen, die man essen oder auch zu Marmelade verarbeiten kann. Zieräpfel wachsen zu hübschen Bäumen heran, wenn man fortlaufend die unteren Äste am Stamm entfernt. Natürlich gibt es noch viele andere schöne Sorten: die kräftig rosablühende und rotblättrige ‚Scarlet‘ oder die weißblühende ‚Evereste‘ mit orangeroten Äpfelchen.

Warum nicht auch einen Schwarzen Holunder (Sambucus nigra) an die Hausecke oder in den Vorgarten pflanzen? Nicht nur Vögel erfreuen sich an der dunklen Beerenzier. Schwarzen Holunder kann man mit der Schere zu einem hübschen kleinen Baum erziehen. Er galt als Hausapotheke schlechthin, am bekanntesten ist bis heute Holunderblütentee, eingesetzt bei Husten und Fieber. Einst wuchs stets ein Holunder vor Hauseingängen, um böse Mächte und Blitzschlag abzuwehren.

Wohin mit dem Hausbaum?

Klar – je kleiner das Grundstück, desto kleiner wird der Hausbaum ausfallen. Doch manchmal ist es gar nicht so sinnvoll, einen kleinkronigen Hochstamm auf engen Raum zu pflanzen. Denn anders als bei einem Großbaum kann man darunter nicht bequem durchlaufen – oder sich daruntersetzen. Ein höher aufstrebendes, nicht allzu ausladendes Gehölz kann hier für mehr gemütliche Atmosphäre sorgen.

In den Vorgarten gepflanzt, wirkt so mancher Baum viel zu wuchtig, nimmt den Blick zur Tür. Mehr Sinn macht es dann, seinen Hausbaum seitlich am Haus zu platzieren – oder auch hinten im Garten. Dort wächst er möglichst nicht mitten auf der Wiese, sondern am Ende eines Weges oder zum Beispiel neben dem Gartenhäuschen.

Dem Baum zu Füßen

Waldflair vom Feinsten verbreitet ein Hausbaum, den man mit Stauden unterpflanzt. Doch wer im Wurzelbereich gräbt, sollte dabei vorsichtig vorgehen. Denn die Feinwurzeln, mit denen Bäume in erster Linie Nährstoffe aus dem Boden filtern, durchweben unter der Baumkrone den Boden in 10–15 Zentimeter Tiefe und noch einige Meter darüber hinaus. Stauden, die ein oberflächliches Netzwerk ausbilden, kommen nur schwer gegen die Wurzelkonkurrenz eines Baumes an – oder andersrum. Ein lockeres Fußvolk aus Kaukasusvergissmeinnicht (Brunnera), Hosta, Lungenkraut (Pulmonaria), Haselwurz (Asarum) oder Storchschnabel (Geranium) sowie Zwiebelblumen lässt den Baumwurzeln genügend Luft. Rasenwuchs bis zum Stamm engt Bäume zu sehr ein – man nennt ihn auch das „grüne Leichentuch der Bäume“. Ein locker bepflanzter Boden rund um den Baumstamm hält das Gras auf Abstand. Flachwurzelnde Bäume reagieren noch empfindlicher, wenn sich zu viel Konkurrenz auf dieser Baumscheibe einfindet. Denn auch die Hauptwurzeln versorgen sich knapp unter der Bodenoberfläche mit Nährstoffen und Wasser. Dazu gehören Ahorn, Erle, Birke, Buche, Apfel, Fichte, Pappel oder Weide. Flachwurzler fühlen sich am wohlsten, wenn ihr Falllaub als dünne Decke auf dem Boden liegenbleibt. Tabu sind dicke Mulch- und Kompostschichten, Erdaufschüttungen oder Kies. Tiefwurzler wie Esche, Walnuss, Birne, Eiche, Speierlinge oder Ulme nehmen krautige Untermieter gelassen hin, selbst wenn diese mit der Zeit einen Teppich weben, etwa wie Dickmännchen (Pachysandra), Immergrün (Vinca) oder Golderdbeere (Waldsteinia). Auch Herzwurzler wie Ahorn, Rosskastanie, Hainbuche, Esche, Ginkgo, Platane, Robinie, Eibe oder Linde lassen sich unterpflanzen.

Hüter vieler Leben

Viele sind glücklich, wenn sie einen alten Baum am Haus haben, manche nicht: sie ärgern sich über das Falllaub, über den Schatten oder über den Platzbedarf. Immer mehr Baumbestand verschwindet aus den Gärten, und selten werden große Bäume nachgepflanzt. Doch gerade alte und stattliche Bäume bieten Tieren Nahrung, Brutraum und Winterquartier. Schon allein der Buntspecht (Picoides major) braucht Stämme über 1,80 Meter, um ansässig zu werden. Da hinein klopft er Höhlen und auch in morsche Äste. Dabei machen sich die amselgroßen Vögel mit dem schwarz-weiß-roten Gefieder als eine Art Gesundheitspolizei verdient: Sie halten Baumschädlinge wie Bock- und Borkenkäfer in Schach, indem sie diese unter der Rinde herauspicken.

Treffen unterm Blätterdach

Unter einem ausladenden Blätterdach kann man mit der Familie und den Freunden feiern, den Feierabend ausklingen lassen oder den Kindern beim Spielen zuschauen. Eine Bank, rundherum um den Stamm gebaut, ein Tisch dazu, mehr braucht es nicht.

Schaukel und Strickleiter hängen direkt im Geäst. Ein geeigneter Ast sollte mindestens 15–20 cm stark sein und sich beim Schwingen nicht durchbiegen. Das Schaukelseil schlingt man mehrmals um ihn herum, damit sich die Rinde nicht abreibt.

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