Grüne Dachdecker

Eine Dachbegrünung sieht nicht nur gut aus, sondern hat auch einen hohen ökologischen Wert. Wir zeigen Ihnen, welche Möglichkeiten es auch in Ihrem Garten dafür gibt.

Pflanzen und Tiere schätzen den neuen Lebensraum, den begrünte Dächer bieten. Nicht nur Insekten und bodenbrütende Vögel schätzen die meist ungestörten Flächen. Die grünen “Mützen“ sehen zudem hübsch aus, speichern und nutzen das Regenwasser, entlasten die Kanalisation, schützen die Dächer wie eine zweite Haut vor Temperaturschwankungen: Im Sommer hält ein grünes Dach kühl und im Winter spart es Heizkosten. Auch filtern die Pflanzen Staub und Schadstoffe aus der Luft, schlucken Lärm und bremsen Wind und Regen.

 

Dachbegrünung selbst gemacht

Alle kleinen und bis etwa 15 Grad geneigten Dächer lassen sich leicht bepflanzen – vorausgesetzt sie sind stabil und absolut dicht: Vordach, Schuppen- und Garagendach oder auch das Vogelhaus eignen sich für Selbstversuche. Größere Begrünungsvorhaben sollten Sie Fachleuten überlassen.

Wie geht man am besten vor? Zuerst kommt auf das gesäuberte Dach ein Schutzvlies, darauf eine Folie mit eingearbeitetem Wurzelschutz .Um die Folie vor dem Druck von Schuhen und Steinen zu schützen, legt man erneut ein Schutzvlies auf.

Bei Flachdächern folgt eine Dränage-Schicht aus Blähton oder Lava-Grus (4–10 cm), die mit einem Filtervlies bedeckt wird. Folie und Vliese werden so befestigt, dass überschüssiges Wasser zur Traufe hin ablaufen kann. Den Abfluss auf flachen Dächern schützt eine Kiesschicht vor dem Verstopfen.

Zum Schluss wird das Dach mit Erde aufgefüllt, die man ohne Humus, Kompost und Mutterboden mischt (siehe Bild 2): aus einem Teil Lehm aus der Kiesgrube, vermengt mit der gleichen Menge Sand und etwas Kies oder Blähton. Solche mineralischen Substrate gibt es auch im Fachhandel zu kaufen.

Die Dicke der Erdauflage hängt von der Stabilität des Daches ab (wachsende Last bei Regen und Schnee berücksichtigen!) und von den gewünschten Pflanzen. Als Faustregel gilt hier:

Bei 5–7 Zentimeter Auflage wachsen bereits alle Mauerpfeffer-Arten (Sedum), von denen es verschiedene Mischungen gibt, in denen neben Mauerpfeffer auch Hauswurz (Sempervivum) und Steinbrech (Saxifraga) enthalten sind. Deren Sprossen streut man wie Samen aus und drückt sie mit einem Brett fest. Die beste Zeit hierfür ist im Mai, Juni, September und Oktober.

In 10–12 Zentimeter hoher Erde entwickeln sich viele Kräuter, Stauden und Gräser prächtig. Es eignen sich Schwingel (Festuca), Segge (Carex) und Zittergras (Briza) sowie typische Steingartenpflanzen wie Küchenschelle (Pulsatilla), Silberwurz (Dryas) oder Fingerkraut (Potentilla). Hitze- und trockenheitsverträglich zeigen sich Pflanzen wie Bergbohnenkraut (Satureja), Römische Kamille (Chamaemelum) oder Kriechender Thymian (Thymus), Salbei (Salvia) und Lavendel (Lavandula).

Junge Pflanzungen oder Saaten gießt man mit feiner Brause an und hält sie feucht bis sie Wurzeln gebildet haben. Auch wenn ein begrüntes Dach kaum Arbeit macht, sollte man vor allem in den Anfangsmonaten Unkraut jäten. Eine Gabe Staudendünger mit Langzeitwirkung im Frühling versorgt die genügsamen Gewächse die ganze Saison lang.*

Schutz vor Schmutz

Der Garten ist wie ein zweites Wohnzimmer unter freiem Himmel. Doch muss deshalb alles offen liegen? Noch mehr als im Haus legen sich Unmengen Staub auf alles, zollt die Witterung Tribut, lassen sich neugierige Blicke nicht einfach aussperren.

Da bewährt es sich, die Fahrräder, die Gartengeräte und die Spielsachen unter einem Dach verschwinden zu lassen. Im Sandkasten spielen die Kinder lieber, wenn ein Dach Schatten spendet. Praktisch, wenn sich dieses über Nacht auf den Kasten senken lässt: So bleiben Katzen und Schmutz draußen. Feuerholz lagert im Garten trocken und luftig, damit es nach gut zwei Jahren verheizt werden kann. Überdachte Holzlager sehen attraktiv aus, nicht nur an der Hauswand, sondern auch als Sichtschutz zum Nachbarn oder als Raumteiler zwischen Kräutergarten und Staudenbeet oder als Abtrennung des Kompostplatzes.

 

Ziegel – vom Dach ins Beet

Mit ihrem warmen Ziegelrot sind alte Dachziegel und -pfannen die Hingucker im Naturgarten. Als Beeteinfassung sorgen sie im Kräutergarten oder entlang der Staudenrabatte für Ordnung. Mit der Zeit überzieht sie eine moosige Patina. Naturgärtner schichten daraus lockere Haufen in die Gartenecken, worunter kleine Tiere Unterschlupf finden. Glatte Dachziegel eignen sich auf der Garten-Tafel als Untersetzer für Heißes. Auch Kübelpflanzen können eine so hübsche Unterlage gebrauchen. Dachpfannen lassen sich mit Hauswurzen bepflanzen und nahe an die Terrasse oder mitten in die Beete stellen. Wenn der Ton keine Feuchtigkeit zieht und immer gut abtrocknen kann, halten Ziegel im Garten viele Jahre lang.

 

Ein trockenes Fleckchen

Für Kräuter lohnt es sich, ein Dach im Garten zu haben, denn Sie brauchen mindestens einen schattigen, luftigen Platz, wo sie ihr Ernte-Gut trocknen können. So bindet man an trockenen Sommertagen Sträuße aus Kräutern, befestigt die Stiele mit einer Schlinge aus Bast und hängt sie kopfüber unters Dach, etwa an eine Trockenleine.

 

Blitzableiter aus Blättern

Einst sollte die Dach-Hauswurz (Sempervivum tectorum) auf Dächer gepflanzt Blitze fernhalten. Heute punktet das zähe Dickblattgewächs mit Formenreichtum und übersteht selbst längere Trockenperioden. Dann heißt es schwelgen: in farbigen Blattquirlen, die mal wie mit feinen Spinnfäden verziert, mal mit dickeren Haarbüscheln versehen, mal samtig, silbern schimmernd über-zogen sind.

 

Auf Nummer Sicher

Haben Sie ein paar Schmuckstücke in Ihrem Topfgarten, die mehr Aufmerksamkeit verdienen? Dann stellen Sie sie unters Dach. Dort entgehen sie Platz- und Dauerregen und manch fatalem Sommerhagel. Kübelpflanzen wie Oleander oder Zitrusgewächse rücken ebenfalls gerne unters Dach, bevor im Dauernass Wurzeln faulen und Blüten Schaden nehmen. Dort überstehen sie zudem frostige Tage, bevor sie ins Winterquartier ziehen.

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