Der Garten kann mehr als nur Gemüse…

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In allen Gärten wachsen wahre Delikatessen – aber die haben mit Tomate, Salat & Co. wenig gemein. Ein Plädoyer für die Überraschungen am Beetrand.

Nicht nur viele Sterneköche besinnen sich auf das Angebot von Mutter Natur. Auch bei vielen Hobbygärtnern fällt die Scheu – vor allem wenn sie ihre Beete jäten. Knoblauchrauke, Brennnessel, Löwenzahn? Nicht ärgern, sondern essen!

Löwenzahn- lieber essen statt bekämpfen…

Appetitanreger Löwenzahn

Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist überall dort zu finden, wo der Boden nährstoffreich ist. Hartnäckig hält sich die Annahme, der Milchsaft der Pflanze wäre giftig. Doch ist die ganze Pflanze essbar. Ihre gezackten Blätter schmecken im Salat, im Dip oder Kräuterquark, vorausgesetzt man verwendet das junge, zarte Grün. Löwenzahn enthält mehr Vitamin A als Möhren. Seine Blüten passen in jeden Salat oder Kaltgetränke.

Knoblauchsrauke als Pfefferersatz

Scharf und geschmacksintensiv ist die Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), die in lehmigen, stickstoffreichen Gärten zu finden ist. Ähnlich wie Senf oder Rettich enthält die Pflanze reichlich ätherische Öle und Glykoside, die in der Kräuterküche für einen pfeffrig-knoblauchartigen Geschmack sorgen. Man mischt ihre feingehackten Blätter in Salatsoßen oder unter Quark. Die schwarzen Samen der Knoblauchsrauke kann man als Pfefferersatz verwenden.

Naturnaher Garten! Gut für alle-und schmecken tut’s auch…

Salat aus Brennnesseln

Warum Spinat pflanzen, wenn Brennnesseln (Urtica dioica) im Garten wachsen? Der Geschmack der jungen, frischen Blätter ist ähnlich, sogar noch aromatischer. Sie zu ernten mag unangenehm sein, wobei gute Handschuhe die Haut vor den Brennhaaren schützen. Die Brennnessel enthält siebenmal mehr Vitamin C als Orangen. Den besten Geschmack besitzen die ersten, etwa 20 Zentimeter langen Austriebe, bei größeren Pflanzen die obersten zwei bis vier Blattpaare. Die Blätter lassen sich wie Blattspinat zubereiten oder zur Suppe pürieren.

 

Wunderpflanze Taubnessel

Die jungen Blätter der Taubnessel (Lamium album) schmecken aromatisch und mild. Am besten bereitet man sie wie Spinat zu oder mischt sie zusammen mit anderen Wildkräutern unter den Salat. Beginnt die Pflanze zu blühen, sammelt man eher die weißen Blüten. In der Heilkunde macht man daraus Tee, der traditionell bei Schlaflosigkeit und Stoffwechsel-Problemen eingesetzt wird. Sie sind reich an süßem Nektar und passen zu Obstsalat oder als Deko auf alle möglichen Süßspeisen.

 

Vogelmiere sorgt für Geschmack

Klein geschnitten im Salat, in Pesto, Quark und Joghurt oder unter Brot-, Spätzleteig und ins Omelette gemischt, entpuppt sich die Vogelmiere (Stellaria media) als kulinarischer Tausendsassa. Das Kraut liefert viele Vitamine und Mineralstoffe. Auch als Suppe ist die Vogelmiere ein gesunder Genuss. Wichtig ist, dass man sie dafür feingeschnitten verwendet. Die Stängel besitzen zähe Fäden, die sich im Pürierstab gern verfangen.

 

Sauerampfer: Roh und in der Suppe

Sauerampfer-Suppe ist unser Favorit im Sonntagsmenü. Warum? Die jungen Blätter des Knöterichgewächses verleihen dem Gericht eine angenehme Säure. Auch roh macht sich das pfeilförmige Grün gut, zum Beispiel im Salat oder fein gehackt in Mayonnaise. Mit dem Mai ist die kurze Saison des Frühlingskrauts vorbei. Sauerampfer (Rumex acetosa) findet man seltener im Garten als auf feuchten Wiesen. Da Sauerampfer – wie Rhabarber – viel Oxalsäure enthält, sollte man ihn in Maßen genießen, Menschen mit Nierenproblemen seien andere Wildkräuter ans Herz gelegt.*

 

Essbar oder nicht

Um zu entscheiden, welche Pflanzen man im Garten, im Wald und auf der Wiese für die Küche ernten kann, sollte man sich vorher gut informieren. Einen Aufschluss bringt zum Beispiel die Datenbank www.pfaf.org, die klarstellt, welche Arten und Sorten, auch von Zierpflanzen, essbar sind.

Wichtig ist, dass Sie Ihre Zutaten an sauberen Plätzen pflücken und die Gewächse nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandelt worden sind.

 

Stauden zieren und schmecken

Von Taglilien (Hemerocallis) schmecken junge Triebe, Knospen und Blüten im Salat. Auch die jungen, noch eingerollten Blätter der Funkien (Hosta) sind eine besondere Delikatesse, manch einer füllt sie mit Hackfleisch oder Schafskäse. Probieren Sie auch Blüten und Blättchen der Glockenblume (Campanula porscharskyana) oder die Schöpfe der Indianernesseln (Monarda fistulosa)!

 

Blütenfroh genießen

Kleine Blumen peppen Salate, Hauptspeisen und Desserts auf. Im Frühling können Sie die Blütenköpfchen von Gänseblümchen, Veilchen, Primeln und Vergissmeinnicht übers Essen streuen, im Sommer Ringelblumen, Sommerastern und Eisbegonien, im Herbst greifen Sie zu Chrysanthemen und Dahlien. Viele Blüten bringen teils intensives Aroma mit ein. Verwenden Sie nur frische Blüten. Sie besitzen das volle Aroma und schmecken knackig. Nach der Ernte schütteln Sie die Pflanzen aus, um Insekten zu entfernen. Bei Bedarf mit kaltem Wasser abspülen und trocken tupfen. Vor dem Servieren Stiele, Kelchblätter und eventuell Stempel und Staubgefäße abzupfen.

MP2-2018